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Bilderflut in Ordnung und Übersicht
Gerhard Richter, am 9. Februar 1932 in Dresden geboren, wird aus Anlass seines 80. Geburtstags in diesem Jahr gleich mit mehreren großen Ausstellungen geehrt.
Als Auftakt wurde vergangenen Freitag in Dresden die Präsentation des ATLAS in der Kunsthalle im Lipsiusbau eröffnet. Nicht die Gemälde stehen hier im Zentrum der Betrachtung, sondern eine universell anmutende Sammlung an Bildern, Motiven, Ideen, Gedanken und Skizzen, die Richter ab 1969 aus dem “Wunsch nach Ordnung und Übersicht” heraus kritisch zu sichten und auf Kartons zu gruppieren begann. Seit den 1970er Jahren stellte er ihn wiederholt aus. Bis heute hat der Künstler den ATLAS als “work in progress” immer wieder überarbeitet und ergänzt, so dass diser inzwischen einen Umfang von mehr als 8.000 Einzelmotiven besitzt.
Die Ausstellung des Gerhard Richter Archivs Dresden sowie der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München vermittelt Einblicke in verschiedene Phasen künstlerischer Auseinandersetzung und motivischer Vorlieben, aber auch in Richters persönliche Lebenswelt. Intime Familienmomente, Landschafts- und Blumendarstellungen, pornografische Motive, zeithistorische Schreckensbilder, Zeitungsausschnitte und Skizzen zu Ausstellungsgestaltungen sind gleichwertig nebeneinander angeordnet und machen die beeindruckende, lebendige Kontinuität des Sammelns und Selektierens konkret erfahrbar, die hinter den gleichformatigen Bildtafeln des ATLAS steht.
Längst nicht alles im ATLAS vereinte wurde für Richter zur Grundlage eines seiner Werke. Vielmehr scheinen mit seiner Hilfe auch Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer weiteren Bearbeitung erprobt zu werden oder, wie die Schriftstellerin Julia Franck in ihrer Eröffnungsrede formulierte: “Im Atlas sehe ich Gerhard Richter denken…”.
Gerhard Richter. Atlas
Eine Ausstellung des Gerhard Richter Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit dem Lenbachhaus und Kunstbau, München
4. Februar – 22. April 2012, Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden
Claude Lorrain in Frankfurt
Leider sind es nur 13 Gemälde, aber dafür wunderbare Paarungen mit den jeweiligen Gegenstücken, die das Städel Museum noch bis zum 6. Mai zeigt. Transporte sind immer eine Strapaze für die Bilder, daher wollen wir dankbar für das Wenige sein. Außerdem bereitet gerade die National Gallery in London eine Ausstellung vor, „Turner Inspired: In the Light of Claude“ (14. März-5. Juni 2012), so waren Leihanfragen offensichtlich schwierig. Trotzdem: diese Ausstellung ist absolut sehenwert und sei hier empfohlen! Vorallem die hier erstmals vollständig präsentierte Radierungsfolge des Feuerwerks von 1637.
Und wer noch ein paar Tage warten kann, sollte sich auch die Munch-Ausstellung (Schirn 9.2.-13.5.) und George Condo (ebenfalls in der Schirn, 22.2.-28.5.12) anschauen.
Sammlungen digital
Schön wäre es ja, wenn alle Museen dieser Welt ihre Sammlungen ins Netz stellen würden, so dass man sich bei Bedarf rasch informieren könnte. So ist denn die Konsultation von Katalogen und Büchern in den meisten Fällen unabdingbar, denn nur wenige Häuser warten auf ihren Webseiten mit ausreichender Information auf – wenn man nicht gleich einen Besuch vor Ort einrichten kann.
Nehmen wir mal die Kunstsammlungen Darmstadt, die jüngst eine Pressemeldung herausgaben, in der sie ihre neue “Internetgalerie” vorstellten. Diese Präsentation (von vorerst 50 der 14.000 Sammlungsstücke) gebe “einen Einblick in die künstlerische Vielfalt, durch die sich die Städtische Kunstsammlung Darmstadt auszeichnet. Die chronologisch gegliederte Galerie zeigt eine Fülle von exzeptionellen Werken aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert, die in ihrer Gesamtheit einen Überblick von der deutschen Kunst der Romantik bis hin zur internationalen Moderne und Gegenwartskunst bieten.” Sie kündigen auch “in naher Zukunft” die Ergänzung durch Kommentare zu den einzelnen Werken an und für Herbst weitere 50 Werke.
Auch das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt hat seine Sammlung anlässlich des 20. Jubiläums des Hauses ins Netz gebracht. Das sind gleich alle 4500 Werke, auch wenn noch nicht alle abgebildet sind, man gewinnt aber doch einen Eindruck von dem, was in den Ausstellungen nie oder selten zu sehen ist und erhält zudem einen Einblick in die Ankaufspolitik unter den jeweiligen Direktoren.
Vorbildlich – und für eine kurze Recherche ausreichend – ist immer noch die Online-Präsentation des Pariser Musée d’Orsay. Doch sicher fallen den Lesern hier noch andere gelungene digitalisierte Sammlungen ein …
„Dit is der sasse[n] speyghel“ – Oldenburger Sachsenspiegel digital
Gestern wurde die Oldenburger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels von 1336 (Signatur: CIM I 410) in den Digitalen Sammlungen der Landesbibliothek Oldenburg in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Neben den in Dresden, Heidelberg und Wolfenbüttel erhaltenen Codices ist damit nun auch die vierte illuminierte Prachthandschrift des Rechtsbuchs Eikes von Repgow digital verfügbar. Sie ist die textlich umfangreichste und enthält 40 Bildszenen, die in den anderen Exemplaren keine Entsprechungen finden.
Festival de l’histoire de l’art
Andreas Beyer vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris macht mich auf folgende hochinteressante Ausschreibung aufmerksam
Ausschreibung
Deutsch-Französisches Treffen von Nachwuchswissenschaftlern (Master 2 und DoktorandInnen) anlässlich des 2. Festival de l’histoire de l’art in Fontainebleau
Vom 1. bis 3. Juni 2012 wird das zweite Festival de l’histoire de l’art in Fontainebleau stattfinden – ausgerichtet vom Institut national d’histoire de l’art Paris und dem französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation.
Das Festival de l’histoire de l’art, das im Schloss Fontainebleau und an zahlreichen anderen Orten der Stadt stattfinden wird, bietet ein vielfältiges Programm (Vorträge und Podiumsdiskussionen, aber auch Filmreihen, Ausstellungen, eine Buchmesse und Lesungen). Es ist sowohl an das Fachpublikum wie auch an Kunstinteressierte schlechthin gerichtet. In diesem Jahr steht das Festival unter dem Thema des „Reisens“ in Kunst, Film und Literatur; das diesjährige Gastland ist Deutschland.
Mit freundlicher Unterstützung der Gerda Henkel-Stiftung ist im Rahmen des Festivals ein deutsch-französisches Treffen von Nachwuchswissenschaftlern des Faches Kunstgeschichte vorgesehen. Französischen und deutschen Studierenden soll dabei die Möglichkeit eröffnet werden, am Angebot des Festivals zu partizipieren und im Dialog mit den Kommilitonen des jeweils anderen Landes die wechselseitige Kenntnis von Inhalten und Methoden der Kunstgeschichte zu vertiefen. Bei exklusiv für die Teilnehmer ausgerichteten morgendlichen Seminaren werden ausgesuchte Referenten aus beiden Ländern Einblick in die aktuelle Forschung geben.
Für diese Begegnung können sich Nachwuchswissenschaftler (Master / DoktorandInnen) bewerben. Die Nähe ihrer Forschungen zum diesjährigen Thema des „Reisens“ oder zum Gastland ist wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig; Französischkenntnisse sind Voraussetzung.
Die Bewerbung (CV und Motivationsschreiben, möglichst in französischer Sprache) schicken Sie bitte auf elektronischem Weg bis zum 15. März 2012 (Betreff: Rencontre franco-allemande) an die folgende Adresse:
festivaldelhistoiredelart@inha.fr.
Unterbringungskosten für drei Nächte sowie Verpflegung und eine Rückerstattung der Reisekosten bis zu 100 Euro werden übernommen.
Wer etwas erreichen will, muss schon etwas tun!
telepolis berichtet heute über eine Initiative, mit der sich eine Gruppe von Wissenschaftlern gegen die preistreiberische Politik des Elsevier -Verlages zur Wehr setzen will. Mit obszön hohen Gewinnen nutzt dieser Verlag seine Stellung aus und treibt das öffentliche Bibliothekswesen in den Ruin. Immerhin haben die Initiatoren verstanden, dass letztlich wir es sind, die diese Praxis beenden können – indem wird diesen und andere Verlage, die ihre Marktmacht auch noch dazu verwenden, vielversprechende open-access-Modelle zu kujonieren, boykottieren. Es stimmt schon, dass hier vor allem Naturwissenschaftler/innen angesprochen sind, weil Elsevier vor allem dort aktiv ist. Aber bei der fachlichen Zugehörigkeit, die auf der Website abgefragt wird, kann man auch “Sonstiges” anklicken.
Aufruf zur Unterstützung der Initiative für ein “Vorbildliches Volontariat”
Der Arbeitskreis Volontariat im Deutschen Museumsbund (DMB) vertritt die Interessen der Volontärinnen und Volontäre an Museen, Gedenkstätten und in der Denkmalpflege in Deutschland. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Empfehlungen des 2009 vom DMB und ICOM Deutschland herausgegebenen “Leitfadens für das wissenschaftliche Volontariat am Museum” und die 1995 und 1999 vom Kulturausschuss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland beschlossenen “Grundsätze für die Beschäftigung von wissenschaftlichen Kräften als Volontäre/ Volontärinnen an Museen” stärker in der deutschen Museumslandschaft bekannt zu machen.
Mit diesem Ziel hat der Arbeitskreis die Initiative Vorbildliches Volontariat ins Leben gerufen. Die in ihr formulierten Empfehlungen sind dem oben genannten “Leitfaden” entnommen. Sie bilden den nötigen Standard, um den wissenschaftlichen Nachwuchs im Museum optimal zu fördern.
Diese Empfehlungen lauten:
- Dem Volontariat liegt eine Art Curriculum zugrunde, in dem die Inhalte des Volontariats formuliert sind. Das Curriculum enthält projektbezogene, selbstständige Tätigkeiten und einen umfassenden Einblick in alle Arbeitsbereiche der betreffenden Einrichtung.
- Dem Volontariat liegt ein Arbeitsvertrag zugrunde, der eine Vollzeitbeschäftigung von grundsätzlich zwei Jahren vorsieht.
- Es gibt eine verantwortliche Wissenschaftlerin/ einen verantwortlichen Wissenschaftler als Ansprechpartner für die Volontärin/ für den Volontär.
- Der Volontärin/ dem Volontär ist ein eigener Arbeitsplatz mit zeitgemäßer Ausstattung zur Verfügung zu stellen.
- Die Teilnahme an Lehrgängen, Fortbildungen und museumsrelevanten Tagungen auf Bundes- und Länderebene ist im Rahmen der Möglichkeiten des Hauses zu gestatten.
- Das Museum bemüht sich, eine Vergütung von der Hälfte des Endgrundgehalts der Entgeltgruppe 13, Stufe 1, des TVöD zu entrichten.
Museumsleitungen, welche die Initiative Vorbildliches Volontariat unterstützen, setzen sich für die Umsetzung dieser Standards ein. Wenn sie selber Volontärinnen oder Volontäre beschäftigen, streben sie ein anhand des “Leitfadens” vorbildlich gestaltetes Volontariat im Rahmen der in Ihrem Haus gegebenen Möglichkeiten an. Die Initiative möchte dazu beitragen, dass faire und vergleichbare Bedingungen für ein Volontariat an Museen gegeben sind.
Eingeladen sind alle Museumsdirektorinnen und -direktoren, -leiterinnen und -leiter den Aufruf zur Unterstützung der Initiative für ein Vorbildliches Volontariat zu unterzeichnen und Vorbild zu werden.
Den Aufruf finden Sie unter:
http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=969
Kontakt:
Corinna Schmidt (AlliiertenMuseum e.V.) und
Tim Urban (Stiftung Deutsches Historisches Museum)
für den Arbeitskreis Volontariat im Deutschen Museumsbund
E-Mail: ak-volontariat@museumsbund.de
Weitere Informationen zum AK Volontariat:
http://www.museumsbund.de/de/fachgruppen_arbeitskreise/volontariat_ak/
Leider ist die Zukunft anders als die Vergangenheit
Vor kurzem veröffentlichte Jim Rakete – was für ein Name! Aber der Name eines bekannten Photographen – in der SZ einen melancholischen Artikel über das Ende von Kodak, das er mit dem Ende der analogen Photographie gleichsetzte. Alles, was er feststellte, kann auf allgemeine Zustimmung treffen – auch auf meine. Aber was hilft’s? Was ich nicht verändern kann, muss ich betreiben! Und nicht immer nur das blockieren, was unvermeidbar ist. Unvermeidbar übrigens in erster Linie, weil im Neuen nicht immer nur der Verlust des Alten liegt, sondern auch neue Qualitäten und neue Chancen!
Roboter im Museum
Seit geraumer Zeit häufen sich die Nachrichtenmeldungen über Neuentwicklungen in der Robotik und die Arbeitsbereiche in denen die neuen humanoiden Maschinen eingesetzt werden könnten: Logistik, Verkehr, Schulunterricht, Kranken- und Altenpflege, sowie auf Messen und in Museen.
Zugegeben – diese Nachricht ist nicht ganz so neu, aber anscheinend noch nicht beachtet? Dabei sollten wir doch darüber nachdenken, was für Auswirkungen diese auf das Angebot in Museen haben könnte.
Man denke etwa an den Roboter Reem H2 von Pal Robotics, der den Besucher durch eine Ausstellung leiten könnte, oder gleich eine komplette Führung anbietet. Dank synthetisierter Stimme kann er, einem Audioguide ähnlich, in Gesprochener Form Informationen über Ausstellung und Exponate vermitteln und mithilfe des Touchscreens lässt sich das ganze noch um eine multimediale Show ergänzen. Info Filme, Vergleichsbilder, Texte und Informationen aus dem Internet können so unmittelbar in der Führung eingebaut werden.
Ein Preis für den Serviceroboter ist auf der Seite von Pal-Robotics noch nicht zu finden…aber durchaus möglich, dass uns in naher Zukunft einer davon begegnet.
Wissenschaftliches Bloggen: Programm
Hier nun endlich das Programm der an gleicher Stelle angekündigten Veranstaltung
Ab 9h00: Empfang der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
9h30 Begrüßung und Einleitung
Prof. Dr. Gudrun Gersmann (DHIP), Prof. Dr. Hubertus Kohle (Institut für Kunstgeschichte, LMU)
I. Wissenschaftsblogs als angewandte Forschung: Wo stehen wir?
Moderation: Dr. Michael Kaiser (Stiftung Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland DGIA)
9h45 Dr. Cornelius Puschmann (Humboldt Universität zu Berlin/Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft)
Was ist ein Wissenschaftsblog? Form, Funktion und Ökonomie einer emergenten Kommunikationsform
10h15 Dr. Melissa Terras (University College London)
Whispers into the Void: Personal Reflections on Academic Blogging
10h45 Kaffeepause
II. Andere Länder, andere Disziplinen, neue Portale
Moderation: Prof. Dr. Claudine Moulin (Trier Center for Digital Humanities)
11h15 Marc Scheloske (Wissenswerkstatt)
Wege aus der Nische: Was man von erfolgreichen (Natur-)Wissenschaftsblogs lernen kann
11h45 Dr. Aurélien Berra (Universität Paris-Ouest)
News from the Hyposphere. Scholarly Blogging in France
12h15 Dr. Mareike König (DHIP)
de.hypotheses.org – ein Blogportal für die deutschsprachigen Geisteswissenschaften
13h00 Mittagspause
III. Themen, Praxis und Beispiele geisteswissenschaftlicher Blogs
Moderation: Dr. Jürgen Danyel (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
14h00 Ass.Prof. Dr. Eva Pfanzelter (Universität Innsbruck)
Blogging the Holocaust
14h30 Dr. Klaus Graf (RWTH Aachen)
Wissenschaftsbloggen in Archivalia & Co.
15h00 Georgios Chatzoudis (Gerda Henkel Stiftung)
Wissenskommunikation im Netz: Interaktivität als Herausforderung am Beispiel von „L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung“
15h30 Kaffeepause
IV. Ausblicke für die geisteswissenschaftliche Blogosphäre
Moderation: Gregor Horstkemper (BSB München)
16h00 Prof. Dr. Hubertus Kohle (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Open Peer Review: eine Möglichkeit zur Qualitätssicherung bei Wissenschaftsblogs?
16h30 PD Dr. Peter Haber (Universität Basel)
Aufbruch in eine neue Wissenschaftskultur? Wohin treibt die wissenschaftliche Blogosphäre?
17h00 Abschlussdiskussion
Moderation: Prof. Dr. Hubertus Kohle (Ludwig-Maximilians-Universität München)
17h30 Ende der Veranstaltung
Tagungsort
Bayerische Akademie der Wissenschaften, Alfons-Goppel-Str. 11, 80539 München
Anmeldung
Deutsches Historisches Institut Paris
Frau Inger Brandt ibrandt@dhi-paris.fr
Weitere Informationen: http://redaktionsblog.hypotheses.org
FONTES 64 erschienen: Cosimo Bartoli und Michelangelo / Cosimo Bartoli and Michelangelo
FONTES 64: Cosimo Bartoli and Michelangelo
FONTES: QUELLEN UND DOKUMENTE ZUR KUNST 1350-1750
FONTES: SOURCES AND DOCUMENTS FOR THE HISTORY OF ART 1350-1750
Herausgegeben von Margaret Daly Davis, Charles Davis, Ulrich Pfisterer, bisher erschienen 64 monographische Nummern
FONTES 64 präsentiert eine Untersuchung der von Cosimo Bartoli verfassten Schriftquellen über das Leben und die Kunst Michelangelo Buonarrotis. Der Florentiner Cosimo Bartoli (1503-1572) war Humanist, Übersetzer, Kunsttheoretiker und Diplomat. Hier werden vor allem Texte aus Bartolis Ragionamenti accademici (Venedig 1567) behandelt. Sie sind vollständig als Volltexte wiedergegeben; hierzu kommen auch andere Texte Bartolis, u.a. aus seinen Briefen an Giorgio Vasari.
Cosimo Bartoli and Michelangelo: A Study of the Sources for Michelangelo by Bartoli bildet Nr. 8 in der FONTES-Reihe: QUELLEN UND DOKUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTE / SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTS. URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2012/1825/
urn:nbn:de:bsz:16-artdok-18257
Folgende Texte wurden schon in dieser Reihe publiziert. Sie stellen die wichtigsten längeren historischen Quellen für die vita Michelangelos dar, mit Ausnahme der beiden von Vasari verfassten Biographien (1550, 1568; die zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Edition ergänzt werden). Die von Vasari herausgegebenen Viten sind zudem schon auf einigen Internetseiten (inkl. WIKIPEDIA) zu finden, darunter ist insbesondere die elektronische Ausgabe der Scuola Normale Superiore, Pisa zu nennen: http://biblio.signum.sns.it/cgi-bin/vasari/Vasari-all?code_f=print_page&work=le_vite&volume_n=6&page_n=3 .
QUELLEN UND DOKUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTE /
SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTS:
Nr. 1. Paolo Giovio: Michaelis Angeli vita (um 1527) (FONTES 12, 2008)
Nr. 2. Giorgio Vasari: “Allo Illustre, e Molto Magnifico M. Alessandro De’ Medici (…)”, Firenze, 6 February 1568, fol. [2]r, in: Vita Del Gran Michelagnolo Buonarroti. Scritta da M. Giorgio Vasari, Scrittore & Architetto Aretino. Con le sue Magnifiche Essequie stategli fatte in Fiorenza. Dall’ Achademia Del Disegno (Florenz 1568) (FONTES 20, 2008)
Nr. 3. Benedetto Varchi: Orazione funerale di Messer Benedetto Varchi fatta, e recitata da lui pubblicamente nell’essequie di Michelagnolo Buonarroti in Firenze nella chiesa di San Lorenzo (Florenz 1564) (FONTES 23, 2008)
Nr. 4. Ascanio Condivi: Vita di Michelagnolo Buonarroti raccolta per Ascanio Condivi da la Ripa Transone (Rom 1553). Teil I: Volltext mit einem Vorwort und Bibliographien (FONTES 34, 2009)
Nr. 5. Anonymus: “Michel Agnolo bonaroti fiorentino“, in: L’additione delle cose più memorabile accadute o fatte per l’universo mondo insino a tutto l’anno MDXXXX. Anhang zu: Giacomo Filippo Foresti da Bergamo, Supplemento delle Croniche del Reverendo Padre Frate Iacopo Philippo da Bergamo dell’ordine degli Heremitani primo autore di quello, novamente revisto, vulgarizato, corretto et emendato con somma diligentia secondo il vero testo Latino della ultima impressione fatta à Parigi (Venedig 1540) (FONTES 35, 2009)
Nr. 6. Two Early Statements about Michelangelo ‘not in Steinmann-Wittkower’. Auszüge aus: Niccolò Franco, Le pistole vulgari di M. Nicolo Franco (Venedig 1539) (FONTES 42, 2009)
Nr. 7. Francesco Sansovino as a detractor of Michelangelo? – An unnoticed biographical profile of Michelangelo between praise and blame. Auszüge aus: Francesco Sansovino, Della Cronica Universale del Mondo (Venedig 1574) (FONTES 43, 2009)
Wichitige Schriftquellen zu Michelangelo befinden sich auch in:
Ulisse Aldrovandi: Tutte le statue antiche, che in Roma in diversi luoghi, e case particolari si veggono, raccolte e descritte per Ulisse Aldroandi, pp. 115-315, in: Lucio Mauro, Le antichità della città di Roma, brevissimamente raccolte da chiunque hà scritto, ò antico, ò moderno; per Lucio Mauro, che hà voluto particolarmente tutti questi luoghi vedere; onde hà corretti molti errori, che ne li altri scrittori di queste Antichità si leggono. Appresso, tutte le Statue antiche, che in Roma in diversi luoghi, e case particolari si veggono, raccolte e descritte per M. Ulisse Aldroandi, opera non fatta piu mai da scrittoralcuno, & in questa quarta impressione ricorretta (Venedig 1562) (FONTES 29, 2009)
Die Reihe QUELLEN UND DOCUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI / SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI hat das Ziel, wichtige zeitgenössische und spätere Quellen der Michelangelo-Biografie zu präsentieren, die sein Leben, seine Arbeiten, seine Welt und seine Gedanken beleuchten. Auch werden jene Quellen berücksichtigt, die sich nicht in der Standardbibliographie von Ernst Steinmann and Rudolf Wittkower (Michelangelobibliographie: 1510-1926, Leipzig 1927) und ihren Nachfolgern befinden. Eine intensivere Dokumentation dieser Literatur in elektronischen Volltexten verspricht, dass neue Wege eröffnet werden, um den Künstler und seine kritische Fortuna und Rezeption in jener längeren Zeitspanne zu beurteilen, in der Michelangelo einen der zentralen Schwerpunkte der Kunstliteratur und –theorie bildete. Für die Zukunft sind umfangreichere kritische Einleitungen und Kommentare zu zwei der wichtigsten zeitgenössischen Berichte (Condivi und Varchi, FONTES 3-4) geplant, sowie Einleitungen zu der Internetpräsenz der beiden Viten von Giorgio Vasari (1550, 1568). Zu den weiteren Texten, die vorgestellt werden sollen, gehören diejenigen von Pietro Bembo (1525), Pietro Aretino (1538, 1542, etc.), Michele Tramezzino (1544/1548), Niccolò Martelli (1546), Antonfrancesco Doni (1552), Lucio Fauno (1552), Andrea Palladio (1554), Pierfrancesco Giambullari (1556), Lionardo Salviati (1564) und Vincenzo Danti (1567). Für diese Autoren sind die Volltexte bereits vorbereitet.
FONTES 64: Cosimo Bartoli and Michelangelo
FONTES: SOURCES AND DOCUMENTS FOR THE HISTORY OF ART 1350-1750
FONTES: QUELLEN UND DOKUMENTE ZUR KUNST 1350-1750
Editors: Margaret Daly Davis, Charles Davis, Ulrich Pfisterer; published to date: 64 monographic numbers
FONTES 64 presents a study of the sources for the life and art of Michelangelo Buonarroti written by Cosimo Bartoli (1503-1572), a Florentine humanist, translator, art theorist, and diplomat. Primarily texts from Bartoli’s Ragionamenti accademici (Venezia 1567) are treated. The relevant texts are quoted completely in full-text form, together with other texts taken from Bartoli’s letters to Giorgio Vasari and from other printed works by Bartoli.
Cosimo Bartoli and Michelangelo: A Study of the Sources for Michelangelo by Bartoli constitutes No. 8 in the FONTES series: SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTS / QUELLEN UND DOKUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTE. URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2012/1825/
urn:nbn:de:bsz:16-artdok-18257
The following texts have been previously published in this series. They include the principal longer narrative sources for Michelangelo’s vita, with the exception of Vasari’s biographies of Michelangelo (to be included at a later time). These are found at a number of Internet sites (including WIKIPEDIA). See especially the electronic editions at the Scuola Normale Superiore, Pisa: http://biblio.signum.sns.it/cgi-bin/vasari/Vasari-all?code_f=print_page&work=le_vite&volume_n=6&page_n=3
SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTS / QUELLEN UND DOKUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI – E-TEXTE:
No. 1. Paolo Giovio: Michaelis Angeli vita (circa 1527) (FONTES 12, 2008)
No. 2. Giorgio Vasari: “Allo Illustre, e Molto Magnifico M. Alessandro De’ Medici (…)”, Firenze, 6 February 1568, fol. [2]r, in: Vita Del Gran Michelagnolo Buonarroti. Scritta da M. Giorgio Vasari, Scrittore & Architetto Aretino. Con le sue Magnifiche Essequie stategli fatte in Fiorenza. Dall’ Achademia Del Disegno (Firenze 1568) (FONTES 20, 2008)
No. 3. Benedetto Varchi: Orazione funerale di Messer Benedetto Varchi fatta, e recitata da lui pubblicamente nell’essequie di Michelagnolo Buonarroti in Firenze nella chiesa di San Lorenzo (Firenze 1564) (FONTES 23, 2008)
No. 4. Ascanio Condivi: Vita di Michelagnolo Buonarroti raccolta per Ascanio Condivi da la Ripa Transone (Roma 1553). Part I: Full text with a Foreword and bibliographies (FONTES 34, 2009)
No. 5. Anonymus: “Michel Agnolo bonaroti fiorentino“, in: L’additione delle cose più memorabile accadute o fatte per l’universo mondo insino a tutto l’anno MDXXXX. Appendix to: Giacomo Filippo Foresti da Bergamo, Supplemento delle Croniche del Reverendo Padre Frate Iacopo Philippo da Bergamo dell’ordine degli Heremitani primo autore di quello, novamente revisto, vulgarizato, corretto et emendato con somma diligentia secondo il vero testo Latino della ultima impressione fatta à Parigi (Venezia 1540) (FONTES 35, 2009)
No. 6. Two Early Statements about Michelangelo ‘not in Steinmann-Wittkower’. Auszüge aus: Niccolò Franco, Le pistole vulgari di M. Nicolo Franco (Venezia 1539) (FONTES 42, 2009)
No. 7. Francesco Sansovino as a detractor of Michelangelo? – An unnoticed biographical profile of Michelangelo between praise and blame. Excerpts from: Francesco Sansovino, Della Cronica Universale del Mondo (Venezia 1574) (FONTES 43, 2009)
Important textual sources for Michelangelo are also contained in:
Ulisse Aldrovandi: Tutte le statue antiche, che in Roma in diversi luoghi, e case particolari si veggono, raccolte e descritte per Ulisse Aldroandi, pp. 115-315, in: Lucio Mauro, Le antichità della città di Roma, brevissimamente raccolte da chiunque hà scritto, ò antico, ò moderno; per Lucio Mauro, che hà voluto particolarmente tutti questi luoghi vedere; onde hà corretti molti errori, che ne li altri scrittori di queste Antichità si leggono. Appresso, tutte le Statue antiche, che in Roma in diversi luoghi, e case particolari si veggono, raccolte e descritte per M. Ulisse Aldroandi, opera non fatta piu mai da scrittoralcuno, & in questa quarta impressione ricorretta (Venezia 1562) (FONTES 29, 2009)
The series, SOURCES AND DOCUMENTS FOR MICHELANGELO BUONARROTI / QUELLEN UND DOCUMENTE ZU MICHELANGELO BUONARROTI, aims to present important contemporary sources for Michelangelo’s biography, as well as numerous other early sources for his life, works, world, and thought not listed in the standard Michelangelo bibliography by Ernst Steinmann and Rudolf Wittkower (Michelangelobibliographie: 1510-1926, Leipzig 1927) and its continuations. A fuller documentation of this literature in electronic full-texts promises to open new avenues to assessing the master and his critical fortune and reception over the extended span of time in which Michelangelo constituted a central focus of the literature and theory of art. For the future are planned fuller critical introductions and commentaries to two principal contemporary accounts of the master, Condivi and Varchi (FONTES 3-4), as well as guides to the internet presence of the two ‚vite’ by Giorgio Vasari (1550, 1568) and the addition of other contemporary and early texts. Among the texts to be presented (ones for which the full-texts have already been created) are those by Pietro Bembo (1525), Pietro Aretino (1538, 1542, etc.), Michele Tramezzino (1544/1548), Niccolò Martelli (1546), Antonfrancesco Doni (1552), Lucio Fauno (1552), Andrea Palladio (1554), Pierfrancesco Giambullari (1556), Lionardo Salviati (1564), and Vincenzo Danti (1567).
KUNSTFORM 13 (2012), Nr. 1 erschienen
Ausgabe 13 (2012), Nr. 1 der Rezensionszeitschrift KUNSTFORM auf arthistoricum.net ist am 15. Januar 2012 erschienen.
Lichtkunst oder Wandleuchten
Anfang 2011 gab es einen Erlass, dass künftig Lichtkunstwerke (also Kunstwerke, die mittels Lichtquellen ihre Aussagekraft entwickeln) bloße Wandleuchten sind, und sie daher mit 19 Prozent Mehrwertsteuer zu belegen sind. Bereits für Fotokunst gilt ja schon der höhere Mehrwertsteuersatz von 19 % (für Kunst ist es 7 %). Da wird ein Werk von Gursky gleichgesetzt mit dem Portraitfoto eines Passbildfotografen.
So ging auch diesmal ein Aufschrei durch den Kunsthandel. Gerade erschien in der Zeitung des Deutschen Kulturrats ein Artikel von Birgit Maria Sturm, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler, der sich diesem beamtlichen Irrsinn widmet.
Sie fragt: “Ob es eine nachträgliche Strafaktion gegen Künstler sei, die vor nicht allzu langer Zeit massiv gegen die Abschaffung der Glühbirne an und für sich protestiert haben? Wie man herausragenden Künstlern unserer Zeit – Martin Creed, Bill Viola, Olafur Eliasson und vielen anderen – erklären soll, dass ihre Werke allein durch die Nutzung von Lichtquellen steuerlich nicht mehr als Kunstwerke anerkannt werden? Wie es sich mit Kunstobjekten verhält, die aus einem Materialmix bestehen – ob dann anteilmäßig unterschiedliche Mehrwertsteuersätze gelten? Fragen über Fragen – und das Bundesfinanzministerium ist außerstande, sie zu beantworten. In einem Schreiben an den Galeristenverband teilt das BMF lediglich mit, dass für die steuerliche Bewertung ‘die Umstände des Einzelfalls maßgebend’ sind.”
Treffend schreibt sie, dass “der Kunstbegriff der Finanz- und Zollbehörden in vormodernen Zeiten, bei Marmor, Bronze und Öl auf Leinwand stecken geblieben” sei. Dieser Einschätzung kann man nur zustimmen. Ich erinnere mich an eine Situation mit badischen Zollbeamten, die ein über 8 Meter langes Oxidation-Painting von Andy Warhol begutachten sollten. Deren völlige Unkenntnis war zum Haareraufen. Es war gar nicht so einfach, diese vom Kunstwert zu überzeugen. Dabei handelte es sich ja immerhin um ein Werk auf Leinwand.
Leonardos verschollenes Meisterwerk im Palazzo Vecchio in Florenz
„Die Inschrift “Suche und du wirst finden” („cerca, trova“) auf einem Fresko im Palazzo Vecchio in Florenz ist für Kunstexperten schon lange ein entscheidender Hinweis, dass sich hinter seinen Mauern ein Meisterwerk von Da Vinci befindet. Jetzt soll ernsthaft mit der Suche begonnen werden.“ So berichtete DER SPIEGEL am 22.03.2007. Jetzt ist es so weit. Die gestrige Ausgabe des SPIEGEL enthält eine zweiseitige Reportage über die Ereignisse in Florenz („Löcher im Palazzo Vecchio; Nr. 2/9.1.12, pp. 126-127). Die Suche nach dem verschollenen Wandgemälde Leonardos (“Die Schlacht von Anghiari”) im Palazzo Vecchio ist ein sehr umstrittenes Unternehmen. Mit einer Petition haben mehr als 500 Kunsthistoriker und Museumfachleute aus aller Welt gefordert, das Projekt sofort zu stoppen. Die Unterzeichner halten es für undenkbar, dass Vasari ein Wandgemälde Leonardos übermalt haben könnte. Die Petition mit Unterzeichnern: http://www.patrimoniosos.it/rsol.php?op=getarticle&id=91798 . Man kann über die Webseite Patriomoniosos.it – „In difesa dei beni culturali e ambentali“: (http://www.patrimoniosos.it/index.php) – das Geschehnis folgen (siehe: Rassegna Stampa, täglich aktualisiert).
Wissenschaftliches Bloggen
Dass das Bloggen für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eventuell schädlich sein kann, wurde hier von Lilian Landes schon einmal angesprochen. Und dass speziell in Deutschland zwischen Wissenschaft und Bloggen wenig Berührungspunkte existieren, dürfte auch auf der Hand liegen. Aber zuletzt kommt Bewegung in die Szene. Selbst die ehrwürdige Bayerische Akademie der Wissenschaften wendet sich dem Thema zu, das Programm finden Sie hier. Und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut/ Paris organisieren wir eine Tagung zum Thema, die am 9.3.2012 im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft in München stattfinden wird. Das Programm wird nachgeliefert!
Brunnen, Wasserfall und Wand. Eine Naturinstallation im Foyer der neuen ADAC Zentrale in München
Gastkommentar von Ioana Herbert
art aqua, Wasserwand, Edelstahl und Glas, 5 x 9 m, ADAC Zentrale München, Foyer, Nordeingang
Ende des vergangenen Jahres wurde in der Hansastraße in München die neue ADAC Zentrale feierlich in Betrieb genommen. Der Entwurf der Stararchitekten Sauerbruch Hutton von 2004 mit einem wellenförmigen Sockelbau und einem Turm über 22 Stockwerken wurde nun realisiert und das Gebäude hebt sich von der Umgebung im Südwesten der Stadt nicht nur wegen seiner Höhe von 92 Metern und der Leuchtkraft seiner gläsernen Wände ab, sondern auch wegen der kleinteiligen Splitterung der Fassade in Flächen unterschiedlicher, hier vorwiegend gelber Farbabstufungen. Dieses geradezu Markenzeichen des Berliner Architekturbüros, das in München bereits bei dem Museum Brandhorst erprobt und in leichter Abwandlung nun bei der Gestaltung des Neubaus der ADAC Zentrale übernommen wurde, nimmt optisch den kompakten Bauteilen ihr Gewicht ab und lässt die Konstruktion nicht nur chromatisch anziehend sondern auch leichter erscheinen.
art aqua, Wasserwand, Edelstahl und Glas, 5 x 9 m, ADAC Zentrale München, Foyer, Blick nach Südwesten
Noch bevor die Kunstwerke der Sammlung „Spuren“, die um Themen der Mobilität kreisen, ihren Platz in dem neuen Gebäude einnehmen konnten, wurde im neuen Haus, im Eingangsbereich, der Kunst (und der Natur) eine Sonderstelle eingeräumt. Eine fünf Meter breite und neun Meter hohe Wand aus Spiegel- und Klarglas, die von Edelstahl umrahmt und in einer Hecke eingebettet ist, wird von fließendem Wasser umspült und zieht die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern und Besuchern auf sich. Die Installation der auf Indoor-Landschaften spezialisierten Firma art aqua hat sicher die Funktion Gerüche und Staub aus der Luft zu filtern, bietet aber auch allen Passanten eine ungewöhnliche visuelle Erfahrung.
art aqua, Wasserwand, Edelstahl und Glas, 5 x 9 m, ADAC Zentrale München, Foyer, Nahaufnahme
Das nah an der glatten Oberfläche fließende Wasser bricht für den Abschnitt der künstlich aufgezogenen Wand die Spiegelbilder jeder Bewegung im Erdgeschoss und verwischt die Sicht auf jede Bewegung im Flur des ersten Obergeschosses. Vielleicht wird in diesem Schattenspiel, das Bewegungen optisch bremst, die erklärte Absicht der Autoren, den Alltag zu entschleunigen, deutlich. Auf jeden Fall darf man jetzt schon darauf gespannt sein, wie sich die formal unauffällige aber ästhetisch wirkungsvolle Naturinstallation in das Leben des Hauses integrieren wird.
Tabus, die solche bleiben sollen
Alle Jahre wieder das gleiche Spiel: Eine Stadt in Finanznot liebäugelt mit dem “brachliegenden” Werten der städtischen Kunstsammlungen. Diesmal ist es die Stadt Hagen, und Rainer Stamm, der dort aufgewachsen ist und heute das Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg leitet, thematisierte dieses unerhörte Ansinnen auf den Schätzpreis von 10 Millionen Euro in einem Artikel in der FAZ, der kurz vor Weihnachten erschienen ist. Andere, wie Raimund Stecker, Direktor des Duisburger Lehmbruck-Museums machen sich weniger Sorgen, sehen eher im Verkauf und Rückleihe an das Museum einen Weg, finanziell aus solchen Aktionen Kapital zu schlagen. Das kann aber auch schieflaufen, wenn der Leihgeber sich zurückziehen will, weil ein anderes Haus bessere Konditionen anbietet oder er seiner Sammlung ein Privatmuseum gönnen möchte. Das hatten wir schon. Auch wenn die Stadt Hagen nun dementiert, man hat den Eindruck, es wird solange immer wieder über Ungeheuerlichkeiten gesprochen, bis es irgendwann keine mehr sind.
Museum 2.0
Ich habe hier vor einer Weile mal über Peter Weibels revolutionäre Ideen zur Besucherbeteiligung bei der Konzeption von Ausstellungen geschrieben. Ein ganz klein wenig hat man den Zuruf Weibels im Kölner Wallraf-Richartz-Museum berücksichtigt. In einer interessanten Ausstellung (Panoptikum) mit Depotwerken aus dem Museum – dabei sind Bilder, die manchem kleineren Museum zur Ehre gereichen würden – durften die Besucher ihr Lieblingsbild küren, das demnächst dann für mindestens ein Jahr in der laufenden Ausstellung gezeigt wird. Weibel hat sicherlich Größeres im Sinn gehabt – aber ein Anfang ist in Köln gemacht!
Ich habe hier vor einer Weile mal über
Ich habe hier vor einer Weile mal über Peter Weibels revolutionäre Ideen zur Besucherbeteiligung bei der Konzeption von Ausstellungen geschrieben. Ein ganz klein wenig hat man den Zuruf Weibels im Kölner Wallraf-Richartz-Museum berücksichtigt. In einer interessanten Ausstellung (Panoptikum) mit Depotwerken aus dem Museum – dabei sind Bilder, die manchem kleineren Museum zur Ehre gereichen würden – durften die Besucher ihr Lieblingsbild küren, das demnächst dann für mindestens ein Jahr in der laufenden Ausstellung gezeigt wird. Weibel hat sicherlich Größeres im Sinn gehabt – aber ein Anfang ist in Köln gemacht!
Schadet Bloggen der akademischen Karriere?
Diese provokante These von Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft an der TU Berlin, wird von Florian Freistetter in – wo sonst – seinem Blog beleuchtet, vor allem aber in den Kommentaren kontrovers diskutiert. Lesenswert! Zugegeben sprach Bolz ursprünglich nicht gezielt vom “Bloggen”, sondern von “Medienpräsenz” im Allgemeinen, die verlinkte Diskussion aber fokussiert in weiten Teilen auf Wissenschaftsblogging.
Was in derlei Diskussionen immer wieder auffällt ist die implizite Aufforderung an die großen Förderorganisationen, Mechanismen zur Bewertung dessen zu entwickeln, was ein Forscher im Netz leistet – außerhalb von Publikationsliste, Tagungsteilnahmen und Drittmittelacquise also (und meist zusätzlich zu diesen).
