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Heidelberg talkte über Cranach

7 Oktober, 2014 - 14:28

Dass Heidelberg der richtige Ort für die wissenschaftliche Disputation neuer Ideen ist, hat Cranachs Freund Martin Luther bei seinem öffentlichen Auftritt im April 1518 in der Artistenfakultät unweit der Heidelberger Universitätsbibliothek gezeigt.


Der erste Heidelberger cranach.talk am 22. und 23. September 2014 rückte die Möglichkeiten der Interaktion und des unmittelbaren wissenschaftlichen Diskurses im Internet in den Mittelpunkt. Trotz erstmaliger Veranstaltung fanden sich für die als Gesprächsrunde konzipierte Tagung mehr als 40 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Frankreich in der Universitätsbibliothek Heidelberg ein. Am Ende zeigten sich die Teilnehmer mit den Referenten einig darüber, dass die für den Wissenschaftsbetrieb einmalige Chance besteht, erfolgreich den Schritt von der analogen zur digitalen Kunstgeschichte zu gehen, um den Erkenntnisgewinn deutlich zu beschleunigen.


Nils Büttner aus Stuttgart führte an beiden Tagen durch das Programm und moderierte die angeregten Diskussionen.


Als Gastgeberin eröffnete Maria Effinger die Gesprächsrunde. Mit einer Einführung in die Arbeit von  arthistoricum.net  und die darin angebotenen Themenportale wurde deutlich, welches Potenzial in der Kooperation mit cranach.net  steckt.


Anschließend umriss Andreas Tacke aus Trier anhand von Diagrammen, die aus cranach.net generiert waren, anschaulich Cranachs Marktstrategien, mit denen dieser im Gegensatz zu vielen Malerkollegen auch während der Reformation ein durchaus einträgliches Auskommen fand. 


Michael Hofbauer und Peter Schmelzle aus Heidelberg führten online anhand unterschiedlicher Fallbeispiele in die Möglichkeiten von cranach.net ein und konnten so eindrucksvoll die Möglichkeiten des seit 2009 bestehenden „digitalen Instituts“ und der interaktiven Datenbank cranach.net demonstrieren. Dass entgegen tradierter Meinung das als Inbegriff reformatorischen Bildgutes gehandelte Thema "Gesetz und Gnade" quantitativ gesehen eine eher marginale Rolle im Oeuvre Cranachs spielte, war nur eine der Neuheiten, die Michael Hofbauer mithilfe der Datenbank offerierte.


Den zweiten Tag leitete der Heidelberger Kunstrechtsexperte Nicolai B. Kemle mit einem Vortrag über die Rechtesituation bei Fotografien von Kunstwerken ein. Die rege Beteiligung des Auditoriums mit zahlreichen Fragen zeigte deutlich, welche Bedeutung dem Thema Schutzrechte sowohl in den Kunstwissenschaften als auch in der Praxis heute zukommt.


Die vergessenen Frauen des Frankfurter Sippenaltars spielten im Referat der Bonner Kunsthistorikerin Mila Horký die zentrale Rolle. Mit ihrer interessanten These zur dynastischen Familienpolitik der Ernestiner und der Identifizierung der abgebildeten Frauen anhand ihrer Attribute konnte sie eine lebhafte Diskussionsrunde einläuten.


Mit einem ebenso spannenden wie vielversprechenden Forschungsansatz machte Anja Ottilie Ilg aus Trier die Zuhörerschaft vertraut. Anhand von Literaturquellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert konnte sie eingefahrene Denkmuster in Bezug auf Cranach d. Ä. kritisch in Frage stellen. Mithilfe von cranach.net und der umfangreichen digitalen Cranach-Bibliographie von arthistoricum.net  sind hier völlig neue wissenschaftsgeschichtliche Perspektiven möglich.


Claus Grimm aus München wies mit einer eindrucksvollen Gegenüberstellung übereinstimmender Bilddetails auf einen wichtige Aspekte bei der Werkstatt-Organisation hin und zeigte sich überzeugt davon, dass die vorgestellte Datenbanklösung bislang ungeahnte Möglichkeiten zur Bildanalyse bereithalte. 


„Wer under euch an sund ist der werffe den ersten stein auff si“, 
so überschrieb Katharina Frank aus Stuttgart ihr Referat, das Teil ihrer Dissertation über die Ehebrecherin vor Christus und andere Motivgruppen aus der Cranach-Werkstatt ist. Wie bei Anja Ottilie Ilg so ermöglicht die Nutzung von cranach.net  auch für die in Serien hergestellten Motivgruppen grundlegend neue Recherchemöglichkeiten. 


Inwiefern das Motiv der "Charitas" ein Wittenberger Thema ist, erläuterte Michael Wiemers aus Halle/Wittenberg unter Auswertung des neuen Werkverzeichnisses CORPUS CRANACH, das auf cranach.net zur Verfügung gestellt wird und zeigte dabei Bilddetails auf, die der Wissenschaft bislang entgangen waren.


Am Ende stand für alle Teilnehmer fest: Es muss ein 2. Heidelberger cranach.talk im kommenden Jahr folgen. 

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Cranachs Helden

28 September, 2014 - 11:28
Falsche Datierung unverständlich!

Mit einer Ausstellung des Kupferstichkabinetts im Kabinett in der Gemäldegalerie vom 09.09.2014 bis 16.11.2014 präsentieren die Staatlichen Museen Berlin Cranachs Helden - Von Lucretia bis Luther auf Zeichnungen und Druckgraphik.

 

Eine kleine, für die Cranach-Forschung dennoch wichtige Korrektur sei an dieser Stelle angemerkt: Werner Schades Datierung "um 1525" aus dem Jahr 2003 für die sich durchbohrende (noch hat sie es nicht getan) Lucretia (Inv. Nr. 506), der hier unverständlicherweise stattgegeben wurde, ist nicht nachvollziehbar! Zweifellos bildet diese mit der nach links gewandten Lucretia (Inv. Nr. 504) ein Paar. Diese jedoch zeigt eindeutige italienische Stilmerkmale wie sich am Haupt kreuzende Haarbänder sowie seitliche Haarknoten, die bei Cranach und seiner Werkstatt nur auf Gemälden in der Zeit zwischen 1509 und 1512 vorkommen und deutlichen Bezug auf die Stilistik Peruginos nehmen (zudem ist das Blatt mit 1509 datiert). Als Beispiel sei die Madonna mit Kind und Johannesknaben genannt ( Bodo Brinkmann (Hrsg.): Cranach der Ältere, Katalog Ausstellung Frankfurt am Main und London, Ostfildern 2007, S. 1465/147, Nr. 17). Vgl. auch Michael Hofbauer : Cranach – Die Zeichnungen, Berlin 2010, S. 100/101, Nr. 16.

Es sollte also im Sinne wissenschaftlicher Redlichkeit zumindest auf die Datierung 1509 Bezug genommen werden.

 

 

 

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KZ – Kampf – Kunst Boris Lurie: No!Art

27 September, 2014 - 13:25

O.T., Assemblage, 1982

Wenn am 1. Oktober die große Kölner Ausstellung 'Ludwig goes Pop' eröffnet, wird mancher vielleicht schon die Gelegenheit genutzt haben, die beeindruckende Übersicht von Werken des 2008 verstorbenen Amerikaners Boris Lurie im ca. einem Kilometer entfernten ELDE-Haus zu besuchen: der 1924 in Leningrad Geborene gilt als Begründer der No!Art-Bewegung am Ende der 50er Jahre. Um ihn als spirtitus rector formierte sich eine offene Künstlergemeinschaft – zur der zeitweise auch Wolf Vostell gehörte – als Gegenströmung zu aus ihrer Sicht politisch indifferenten Pop Art. "Nein heißt erst einmal, nicht alles anzunehmen, was dir offeriert wird und dann auch ein Ausdruck der Unzufriedenheit" (Lurie). 

Der ungewöhnliche Ort für eine monografische Kunst-Ausstellung ist Programm: Er verweist auf Luries Schicksal und seinen biografischen Hintergrund bzw. auf einen wesentlichen Impuls für seine künstlerischen Interpretationen. Das NS-Dokumentationszentrum im ELDE-Haus hat in Zusammenarbeit mit der in New York beheimateten Boris Lurie Art Foundation (BLAF - www.borislurieart.org ) 10 Themenkomplexe unterteilte, überzeugende Schau konzipiert, die gleichermaßen sowohl im Medium der Zeichnung, der Malerei, der Skulptur wie der Collage den Schrecken menschlicher Abgründe nicht nur angesichts des Holocausts in seltener Beklemmung spürbar macht.

Im November 1941 kam bei einem Massaker im Großen Ghetto von Riga nahezu Luries ganze Familie und seine Jugendliebe um. 1946 emigrierte er mit seinem überlebenden Vater nach Amerika und verarbeitete schon bald sein Trauma zunächst in den "War Series": mal zart anrührende, mal in expressiv hartem Dukus gehaltene Pastell- und Tuschezeichnungen sowie Gouachen, die das Leben und Sterben im Ghetto zum Gegenstand haben. Schreiend bunt, mit Buchstaben, Zeichen (wie dem Judenstern) und Zetteln überklebte Koffer (der Deportierten) sowie Assemblagen markieren einen anderen Schwerpunkt seiner Ausdrucksformen.

Der Einfluß der Pariser Affichisten, vorallem aber die intensive Auseinandersetzung mit der Pop Art, zeigt sich in Luries Hinwendung zu deren wesentlichem Stilmittel: dem Ende der 50er Jahre aufkommenden Collage und der Formulierung einer eigenen, überaus bemerkenswerten Ikonografie. Dabei ging es nicht nur darum, Pop Art, aus Sicht der propagierten No!Art, als scheinheilige Konsumkritik zu entlarven, waren die Töne der Gruppierung auch nicht als Einstimmung in den Chor der typischen politischen Aktionisten jener Tage zu verstehen: Es ging darum, mit damals populären Mitteln, die latente Verquickung von Politik und Pornographie, von Macht und Lust ins Bild zu setzen. Im Sinne Luries bedeutet das: die Katastrophe der Shoa mit 'Pin ups' in eins zu denken und zu betrachten. Das ist die Provokation, die bis heute anscheinend nichts von ihrer Wirkmächtigkeit eingebüßt hat.

Schon in frühen Arbeiten, wie "Amerique / Lumumba is dead...", die sich auf die mutmaßliche, durch westliche Mächte erfolgte Ermordung des 1. gewählten Ministerpräsidenten des Kongo bezieht, bildet das Hakenkreuz (immer wiederkehrendes Symbol des Teuflischen) gleichsam das Zentrum eines Strudels lasziv dahin gestreckter Nudes; oder in den sogenannten "Saturation paintings", einem weiteren Bildkomplex in der Kölner Ausstellung, wo sich etwa in "Buchenwald" von 1963 auf einem zugekleisterten Bildträger, in vergilbten Fotografien befreite KZ-Häftlinge und Pin Ups nebeneinander befinden. Viele seiner, Luries, persönlicher Erinnerungen mögen in die unterste Schicht dieses Palimpsests abgesunken sein – in die der vielfach verdrängten kollektiven Erinnerung ist sie es ja zumeist - doch manche Assoziationen und Bilder bleiben, wenn der Blick nur darauf gelenkt wird und sich nicht entzieht, erkennbar an der Oberfläche. 

Gegenwärtige Ereignisse sekundieren Lurie in seiner radikalen Sichtweise, stellt man aktuell mit religiösem Fanatismus verbrämte Macht(ausübung) und Lust gegenüber: So schrieb am 25.9.14 Peter von Becker über die sadistisch ausgelebten "Potenzfantasien" der ISIS-Terroristen im Berliner Tagesspiegel : "Anders als bei anderen Gewaltregimes wird nichts versteckt und verbrämt, sondern exhibitionistisch ausgestellt. Die ISler sind so die ersten 'porn warriors' des digitalen Zeitalters."

 

Boris Lurie hat zu Lebzeiten nicht resigniert angesichts seines Schicksal und all der Opfer der Shoa: in den verneinenden Statements seiner Kunst und deren Unterminierung 'angesagter' Strömungen wird dies deutlich. In Wort und Bild vermittelt sich sein Überleben aber auch als Kampfansage an das einstige und an all die potentiell wieder erstarkenden politische(n) Regime(s). Und doch bleiben natürlich bei aller formulierter Radikalität und Kunstmarktdiskonformität Widersprüchlichkeit nicht aus: zwar verzichtete Lurie zeitlebens darauf, seine Bilder zu verkaufen – eine der No!Art Parolen lautet: "No!Art ist gegen die Anhäufung von Kunst-Weltmarkt-Investment-Mode-Dekorationen. Solche Dekorationsspiele sind Schlafmittel für die Kultur. Sie sind gegen die 'Fantasie' im Dienste des Kunstmarktes" –, dennoch machte er sich das kapitalistische System effektiv zu Nutze, in dem er sehr erfolgreich an der Börse spekulierte. In einem seiner Gespräche (in Deutsch!) greift Lurie bisweilen auf die Maus als Metapher zurück: So spricht er einmal davon, dass er nie so ängstlich wie ein 'Mäuschen' gewesen sei, bemerkt an anderer Stelle dann jedoch selbstironisch: "Meine Sympathie ist mit der Maus, doch füttere ich die Katze". http://www.borislurie-derfilm.de /

 

P.S. Repräsentiert und dokumentiert von dem deutschen Künstler Dietmar Kirves lebt die No!Art-Bewegung übrigens bis heute fort und führt auf einer beeindruckend informativen website u.a. vor, dass sie die Vertreter der 'reinen Lehre' seien und nicht die "manipulative", angeblich nach Profit schielende, Luries Nachlass verwaltende BLAF:  

http://www.no-art.info/_news/info_de.html


Ausstellung im Kölner ELDE-Haus, bis 2. November, www.boris-lurie.de

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Cranach unter die Lupe gelegt

25 September, 2014 - 22:06
Nah da schau her!

"Dank klug gesetzter Filter kann man etwa nach Cranach-Werken an seinem Reiseziel suchen":

www.rundschau-online.de/kultur/cranach-digital-archive-cranach-unter-die-lupe-gelegt,15184894,28490864.html

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PETRARCA ON ‘DISEGNO’, ENEA VICO ON ‘COINS AS HISTORY’, and VASARI ON FRA ANGELICO IN ENGLISH / PETRARCA ÜBER ,DISEGNO’, ENEA VICO ÜBER ‚MÜNZEN ALS GESCHICHTE’ UND VASARI ÜBER FRA ANGELICO

23 September, 2014 - 17:40

Fontes 76, 77 and 78  
( Texte in Englisch und Deutsch )

 

The central Renaissance concept of disegno as the foundation of the visual arts can be traced back to the fourteenth century. The Florentine humanist Petrarch wrote his dialogue, Remedies Against Fortune , in the years 1534-66. There he states that graphis (Latin for disegno, or drawing) is the common source of sculpture and painting. This idea is elaborated by many later Renaissance writers on art, such as Leon Battista Alberti, Lorenzo Ghiberti, and Giorgio Vasari. In the recently published Fontes 78, Gregor Maurach and Claudia Echinger-Maurach present Petrarca’s two fundamental texts ( De tabulis ; De statuis ) from the De Remediis Utriusque Fortunae , with a new German translation and with a detailed analytical commentary.

In earlier numbers of Fontes , No. 77 discusses Enea Vico on ancient coin reverses as historical documents, publishing excerpts from Vico’s treatises on ancient numismatics (1548, 1555). Fontes 76 publishes Giovanni Aubrey Bezzi’s English translation of Giorgio Vasari’s Vita of Fra Giovanni Angelico da Fiesole, a fundamental way-station in the Fra Angelico revival of the nineteenth-century and an important document of the reception of Vasari in England.

 

Ein zentraler Begriff der Renaissance-Kunsttheorie – disegno als Grundlage der bildenden Künste – kann bis ins vierzehnte Jahrhundert zurückverfolgt werden. In den Jahren nach 1354 verfasste der Florentiner Humanist Petrarca seinen Dialog De Remediis Utriusque Fortunae . Hier erklärt er, ‚graphis’ (lateinisch für disegno oder Zeichnung) sei die gemeinsame Quelle der Skulptur und Malerei. Die Idee wird von vielen späteren Renaissance Schriftstellern über Kunst, wie Leon Battista Alberti, Lorenzo Ghiberti, und Giorgio Vasari, weiter elaboriert. In einer kürzlich veröffentlichten Nummer von Fontes (78), präsentieren Gregor Maurach und Claudia Echinger-Maurach die zwei grundlegenden Texte von Petrarca ( De tabulis ; De statuis ) aus dem De Remediis Utriusque Fortunae mit einer neuen deutschen Übersetzung und einem ausführlichen analytischen Kommentar.

 Unter früheren Nummern von Fontes , Nr. 77 diskutiert Enea Vico über antike Münzen als Zeugnisse der Geschichte. Der Beitrag enthält Auszüge aus Vicos Abhandlungen über antike Numismatik (1548, 1555). In Fontes Nr. 76 wird Giorgio Vasaris Vita des Fra Giovanni Angelico da Fiesole in der englischen Übersetzung von Giovanni Aubrey Bezzi (1850) veröffentlicht. Diese ist eine grundlegenden Etappe im Fra Angelico-Revival ​​des neunzehnten Jahrhunderts und zugleich ein wichtiges Dokument zur Rezeption von Vasaris Viten in England.

 

PETRARCA:

Francesco Petrarca on Panel painting and Sculpture : De tabulis ; De statuis from: Francesco Petrarca, De remediis utriusque fortunae (1354-1366) De tabulis pictis. Dialogus XL. De statuis. Dialogus XLI ( Fontes 78), ed. Gregor Maurach, Claudia Echinger-Maurach

 

Petrarch’s De tabulis pictis and his De Statuis , found in his work De Remediis Utriusque Fortunae , represent the most extensive critical discussion of painting and sculpture of the fourteenth century that has come down to us. The two texts aim to evaluate these artistic genres with regard to their moral usefulness, that is, to show their place in the order of divine and worldly knowledge. Petrarch’s highly fruitful reading of the Latin literature pertaining to art and to artists, particularly of Pliny’s Naturales Quaestiones , is astounding. Moreover, the impartiality of his judgement is as refreshing as it is effective. These chapters reveal, as far as the philosophy of art is concerned – with its postulate of the basic quality of all of the fine arts lying in their single source, „graphis“ – an important line of thought which influenced later writings on art with their demand that the arts be in concordance with nature. In these chapters, edited by Gregor Maurach and Claudia Echinger-Maurach, the reader may understand and appreciate Petrarch’s path-breaking accomplishment.

 

Francesco Petrarcas De tabulis pictis und De Statuis aus seinem Werk De Remediis Utriusque Fortunae stellen die ausführlichste Auseinandersetzung mit Malerei und Skulptur dar, die wir aus dem 14. Jahrhundert, einem an Kunstwerken so reichen Zeitraum, besitzen. Die Texte zielen darauf ab, die genannten Kunstformen im Hinblick auf ihren moralischen Nutzen zu bewerten, d.h. ihren Rang innerhalb der Ordnung von Gottes- und Welterkenntnis aufzuzeigen. Die fruchtbringende Belesenheit Petrarcas in der lateinischen Literatur die Kunst und Künstler betreffend, besonders in des Plinius Naturales Quaestiones ist erstaunlich. Überdies ist die Unbefangenheit seines Urteils ebenso erfrischend wie wirkungsvoll. Petrarcas zwei Kapitel weisen, was die Kunstphilosophie betrifft, mit ihrem Postulat eines Grundvermögens aller bildenden Kunst, dem der „graphis“, als Quelle aller aus ihr fließenden Kunstgattungen einen wichtigen Denkweg. Sie beeinflußten spätere Kunstbewertungen mittels ihrer Grundforderung nach Übereinstimmung mit der Natur. Insofern darf man die hier von Gregor Maurach und Claudia Echinger-Maurach bearbeiteten Kapitel als wegweisende Leistung Petrarcas betrachten.

 

VICO-ZANTANI:

Enea Vico on Ancient Coin Reverses as Historical Documents: verso il secondo libro sopra medaglie degli antichi , with excerpts from: Antonio Zantani and Enea Vico, Le imagini con tutti i riversi trovati et le vite de gli imperatori tratte dalle medaglie et dalle historie de gli antichi, Libro primo , Parma 1548, and Enea Vico, Discorsi di M. Enea Vico parmigiano, sopra le medaglie de gli antichi divisi in due libri , Venezia 1555 ( fontes 77; Il rovescio della medaglia, 2), ed. Margaret Daly Davis

 

In the two introductions by Antonio Zantani to the edition of the Imagini published by Zantani and Enea Vico in 1548, Zantani explains the difficulties that numismatic scholars faced when attempting to correctly interpret ancient coin reverses. The numerous publications by Vico of the following years – here three texts from his Discorsi are published – document Vico’s ceaseless efforts to answer this challenge. Vico’s Discorsi (1555) contains several notices for his never published second book of the Imagini , where the coin reverses, reliable documents of Roman history and civilisation, are newly classified. Instead of being ordered chronologically, following the lives of the emperors, the reverses are arranged in thematic sections – Vico mentions religion, the militia and government (“religione”, “militia”, “politica”). These categories correspond to some of those that Marcus Terentius Varro established in his Antiquitates as well as those devised by Flavio Biondo ( Roma triumphans , ed. pr. 1482). Despite the fact that Vico’s second book of the Imagini never appeared, his approach was basic to the elaboration of the Discorsi . In several chapters of that work, here published in full text versions, the coin reverses are revealed to be important aids to reconstructing “la religione de’ Gentili, tutta la militia Romana e tutta la historia de gli Imperatori.”

 

In den Einleitungen des Antonio Zantani zu den von ihm und Enea Vico 1548 herausgegeben Imagini erläutert Zantani die Schwierigkeiten der Numismatikforscher, Darstellungen auf Münzreversen korrekt zu deuten. Die zahlreichen Publikationen von Vico in den folgenden Jahren – hier werden insbesondere drei Texte aus seinen Discorsi wiedergegeben – belegen Vicos unaufhörliche Versuche, dieser Herausforderung zu entsprechen. In seinen Discorsi (1555) weisen mehrere Textstellen auf das nie publizierte zweite Buch der Imagini hin, wo er die Münzreverse, verlässliche Dokumente der römischen Geschichte und Zivilisation, neu klassifiziert habe. Anstatt chronologisch, den Imperatorenviten folgend, wurden die Reverse in thematischen Sektionen – Vico erwähnt „religione“, „militia“ und „politica“ – eingeteilt. Diese widerspiegeln die Kategorien der von Marcus Terentius Varro konzipierten Antiquitates wie auch die von Flavio Biondo ( Roma triumphans , ed. pr. 1482). Auch wenn das zweite Buch der Imagini nie veröffentlicht wurde, war der Ansatz Vicos grundlegend für die Ausarbeitung der Discorsi . In vielen Kapiteln des Werkes, die hier in Volltexten präsentiert sind, zeigen sich die Reverse als Hilfsmittel, „la religione de’ Gentili, tutta la militia Romana e tutta la historia de gli Imperatori“ zu rekonstruieren.

 

VASARI AND GIOVANNI AUBREY BEZZI ON FRA ANGELICO:

Fra Angelico translated, 1850: Giorgio Vasari, The Life of Giovanni Angelico da Fiesole , translated from the Italian of Vasari by Giovanni Aubrey Bezzi, with Notes and Illustrations, printed for the Arundel Society, London 1850 ( fontes 76; Vasari in England, 2), ed. Charles Davis

 

The Introduction presents essential information about Giovanni Aubrey Bezzi’s translation of Vasari’s Life of Fra Angelico, published for the Arundel Society in London in 1850. Among the topics treated are the translator, Giovanni Bezzi, his collaborators, the institutional circumstances in which the book was produced, as well as Bezzi’s translation as a translation, and his commentaries to the Fra Angelico vita and their sources in prior editions of Vasari and contemporary art historical literature. Bezzi’s catalogue of works by Angelico and the lithographic plates are described. The use of Bezzi’s translation as the medium for an artist monograph is considered in the context of the history and pre-history of this genre of art historical writing. A selection from the numerous plates included in the volume follows the full-text edition of Bezzi’s book. Full-text editions of the first and second editions of Vasari’s Life of Fra Angelico (1550, 1568) are included, as well as a comparative analysis of the two redactions. The characteristics of the 1568 revision are defined and interpreted. There follows a discussion of Mrs. Jonathan Foster’s translation of Vasari’s vita of Fra Angelico. This was published in London contemporaneously with Bezzi’s translation in the same year, 1850,  possibly just slightly later than Bezzi’s edition. A full text of Mrs. Foster’s translation is included.

 

Die Einführung stellt wesentliche Informationen über Giovanni Aubrey Bezzis Übersetzung von Vasaris Das Leben des Fra Angelico (für die Arundel Society 1850 in London veröffentlicht) vor. Behandelt sind Bezzi, seine Mitarbeiter und die institutionellen Rahmenbedingungen für das Buch, sowie Bezzis Übersetzung, sein Kommentar zum Leben Angelicos und seine Quellen. Das Werkverzeichnis und die Bildtafel werden beschrieben; ferner wird die Übersetzung Bezzis als Ausdrucksmittel einer Künstler-Monographie im Hinblick auf die Geschichte und Vorgeschichte dieser Gattung der Kunstgeschichtsschreibung analysiert. Nach der Volltext-Transkription des Buches folgt eine Auswahl der Tafeln. Volltexte von den zwei Vasari-Viten Angelicos sind enthalten, sowie eine vergleichende Analyse der beiden Texte. Es folgt eine Diskussion über Mrs. Jonathan Fosters Übersetzung von Vasaris Angelico-Leben. Diese wurde in London gleichzeitig mit Bezzis Übersetzung oder kurz danach im selben Jahr 1850 veröffentlicht. Ein Volltext der Übersetzung Mrs. Fosters ist ebenfalls enthalten.

 

LINKS:

 

fontes 78 Francesco Petrarca on panel painting and sculpture : De tabulis; De statuis aus: Francesco Petrarca: De remediis utriusque fortunae (1354-1366) De tabulis pictis. Dialogus XL. De statuis. Dialogus XLI (FONTES 78)
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/2209/

 

fontes 77:   Il rovescio della medaglia, 2. Enea Vico on ancient coin reverses as historical documents: verso il secondo libro sopra medaglie degli antichi with excerpts from: Antonio Zantani and Enea Vico, Le imagini con tutti i riversi trovati et le vite de gli imperatori tratte dalle medaglie et dalle historie de gli antichi, Libro primo, Parma 1548, and Enea Vico, Discorsi di M. Enea Vico parmigiano, sopra le medaglie de gli antichi divisi in due libri, Venezia 1555 (FONTES 77)
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/2181/

 

fontes 76:   Vasari in England, 2: Fra Angelico translated, 1850. Giorgio Vasari, The Life of Giovanni Angelico da Fiesole, translated from the Italian of Vasari by Giovanni Aubrey Bezzi, with Notes and Illustrations, printed for the Arundel Society, 1850 (FONTES 76)
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/2180/

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Commons-basiertes Wirtschaften

18 September, 2014 - 14:20
Auch etwas für die Kunstgeschichte?

Mich hat zuletzt die Lektüre von Jeremy Rifkins Buch über die " Null-Grenzkosten-Gesellschaft " schwer beeindruckt, gerade auch, weil es im scheinbar trockenen ökonomischen Gewand eine Utopie formuliert, die sich so deutlich von all den gängigen Internet-Zweiflern ( Morozov , Lanier , Schirrmacher , Eggers etc.) unterscheidet. Null Grenzkosten gibt es dort, wo jede zusätzliche Version eines Produktes tendenziell nichts mehr kostet. Beispiel online open access: Das erste Buch kostet (nämlich die Zeit, es zu schreiben), jedes weitere nichts mehr, egal, ob es das zweite oder zweitausendste ist. Der Profit nun entsteht im Kapitalismus als abhängige Variable der Grenzkosten. In Rifkins Augen ist damit der Niedergang eben dieses Kapitalismus eingeläutet, weil zukünftiges Wirtschaften tendenziell profitlos vollzogen wird. Stattdessen sieht Rifkin die Rückkehr von Formen gemeinschaftlichen Wirtschaftens am Horizont aufscheinen, was er mit dem Begriff der Allmenden-Wirtschaft zusammenfasst. In "lateral skalierten, Netzwerk-Kooperationsstrukturen", wie sie mit dem Internet möglich werden, soll zukünftig produziert und konsumiert werden, tendenziell kostenlose Sonnen-Energie über smarte Netze zwischen den dezentrtal produzierenden und verbrauchenden Nutzern ausgetauscht und die meisten Gegenstände des täglichen Bedarfs auf 3D-Druckern ausgedruckt werden. Wer es nicht glauben will, sollte das Buch lesen! Eine faszinierende, in vielen Punkten natürlich klärungsbedürftige Vision, die bei unseren gesammelten adornistisch oder foucaultianisch inspirierten Feuilleton-Dystopikern mehrheitlich auf Kritik stößt. ( Beispiel )

 

Im Zentrum von Rifkins Überwindungs-Rhetorik steht die einstmals berühmte, zwischenzeitlich eher berüchtigte Sharing-Economy. Gefragt, was bei solchen global agierenden Anbietern wie uber antikapitalistisch sein soll, antwortete Rifkin bei einer Berliner Buchvorstellung: Das ist ein Übergangsphänomen, in Zukunft würde man angesichts der Leichtigkeit der technischen Organisation sicherlich lokale, eben lateral und nicht top down strukturierte Unternehmungen zum Teilen von Autos oder allen möglichen anderen Produkten einführen. Die Idee, das Internet eher im lokalen als globalen Maßstab zu verstehen, hat etwas Beeindruckendes. Das Folgende mag wie kleinbürgerlicher Sozialismus klingen und auch schon an anderen Stellen vorgeformt sein, aber es würde mich interessieren, ob so etwas irgendwo praktiziert wird - einmal abgesehen davon, dass es etwa in der berühmten " Digitalen Stadt Amsterdam " Vorformen gegeben hat.

 

Ich gehe einmal davon aus, dass eine lebendige Identitätsbildung in Großstädten nicht etwa auf gesamter Stadtebene abläuft, sondern allenfalls auf Stadtteilebene. Mein alltäglicher Wirkungsradius bezieht sich an meinem Wohnort in München auf die Maxvorstadt, in die Innenstadt komme ich ein- bis zweimal die Woche, nach Trudering ein bis zweimal im Jahr. Es liegt also nahe, die Maxvorstadt als ein Netzwerk im Rifkinschen Sinne zu verstehen und den Versuch zu unternehmen, deren Einwohnerschaft zu einer solidarischen, dabei gleichzeitig die Einzelinteressen berücksichtigenden Form zu entwickeln. Jede/r in diesem Netzwerk hat einerseits Bedürfnisse und andererseits kann er/ sie etwas bieten. Ein einsamer Rentner würde gerne einmal mit einem Maxvorstädter bei diesem zuhause zu Abend essen, aber er hat auch Zeit, um einen Hund vier Stunden zu beaufsichtigen. Der eine kann Fahrräder reparieren, braucht aber einen Babysitter. Kunsthistoriker/innen - jetzt kommt's -  verfügen in der Maxvorstadt über ein Weltklasse-Ensemble von Museen, und er/ sie weiß und kann erklären, was darin zu sehen ist. Eine Internet-Plattform zu entwickeln, in der der Austausch von Angebot und Nachfrage organisiert würde, wäre eine aufwändige Unternehmung, aber so wahnsinnig kompliziert scheint sie mir nicht zu sein. Und um den Rifkinschen Atavismus in Sachen Gemeinschaftswirtschaft noch zu toppen: Das Ganze ließe sich durchaus auch ohne Geldzahlungen denken. Statt dessen könnte man Punkte sammeln (wenn Leistungen geliefert werden) oder Punkte abgeben (wenn man Leistungen in Anspruch nimmt).

 

Wie gesagt, das Ganze klingt verrückt, aber mit dem Internet würde es funktionieren. Was mich in erster Linie hier interessiert: Gibt es solche "lateral skalierten Nachbarschaftsnetzwerke" schon in der Realität? Und natürlich: Könnte man diesem Gedanken nicht gerade als Kunsthistoriker/in sogar so etwas wie ein Geschäftsmodell abgewinnen? Ich freue mich in dem Zusammenhang schon auf unseren Studienschwerpunkt "digital entrepreneurship", der wir im Rahmen des Promotionsprogrammes " Digitale Kunstgeschichte " an der LMU aufbauen. Denn da gehört so etwas natürlich genau hinein!

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POP UP CRANACH

17 September, 2014 - 22:20
Cranach in 120 Sekunden

Cranach kann so einfach sein! Dank den staatlichen Museen zu Berlin!

www.youtube.com/watch

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Digitorial - Neue Formen der Kunstvermittlung

17 September, 2014 - 11:08

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt nimmt ihren Bildungsauftrag ernst! Jetzt kann man sich bereits vorab auf die zu besuchende Ausstellung vorbereiten. Mit dem Digitorial werden multimediale Informationen in Bild, Text und Ton mit entsprechend tiefer gehenden Ebenen geboten. Für das Jahr 2015 planen die drei großen, unter einer Leitung geführten Frankfurter Institutionen Städel, Schirn und Liebieghaus dieses neue Vermittlungsangebot.

Hier das Erste seiner Art für die kommende Ausstellung einer Künstlerin der finnischen Moderne: Helene Schjerfbeck (1862–1946), die anlässlich des Gastlandauftritts Finnlands auf der Frankfurter Buchmesse stattfindet.

http://schirn.de/schjerfbeck/

Ich wünsche mir so etwas auch mehr für die Gegenwartskunst in anderen Häusern. Hoffen wir, dass das Schule macht.

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CORPUS CRANACH als umfangreichstes Werkverzeichnis einer Altmeisterwerkstatt öffentlich zugänglich

11 September, 2014 - 15:26

Mit mehr als 2.500 dokumentierten Werken wird in der Universitätsbibliothek Heidelberg eines der umfangreichsten Werkverzeichnisse der Kunstgeschichte im Internet öffentlich zugänglich gemacht.

1932 publizierten die Kunsthistoriker Max J. Friedländer und Jakob Rosenberg ein Werkverzeichnis der Gemälde aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren und seiner Söhne. Insgesamt sind darin etwa 850 Werke genannt, ohne dass dieser Œuvrekatalog Anspruch auf Vollständigkeit erheben könnte. Trotz einer weit fortgeschrittenen Forschung und zahlreicher neuerer Publikationen ist es bis heute nicht gelungen, ein umfassendes Verzeichnis aller relevanten Werke zusammenzustellen. Gerade ein solches Verzeichnis bildet jedoch die Grundlage für die weitere Erforschung nicht nur der Malerwerkstatt Cranach, sondern auch der Reformations- und Kunstgeschichte, deren Verlauf durch die Cranach-Werkstatt maßgeblich mitgestaltet wurde.


Die über 2.500 heute noch erhaltenen Einzelwerke um den Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen, Lucas Cranach den Älteren, der von 1504 bis 1553 in Wittenberg gewirkt hat, dokumentieren die wohl produktivste und umfangreichste Bildermanufaktur der Renaissance. Berücksichtigt man die beträchtlichen Gemäldeverluste durch Kriege und andere Umstände, so dürfte die Zahl der ursprünglich angefertigten Kunstwerke bei möglicherweise über 5.000 gelegen haben.


Lucas Cranach der Ältere: Das jüngste Gericht, um 1517, Kansas City, Nelson Atkins Museum of Art

Mit der Gründung des virtuellen Forschungs-Instituts www.cranach.net werden seit Herbst 2009 systematisch Daten zum umfangreichen Werk der Cranach-Werkstatt erhoben und ausgewertet. Hierzu dient eine mediawiki-Software, wie sie auch bei Wikipedia zum Einsatz kommt. Auf der Arbeitsplattform können angemeldete Wissenschaftler selbstständig Ergänzungen einpflegen. Durch diese Arbeitsweise beschleunigt sich der wissenschaftliche Diskurs und damit auch der Erkenntnisgewinn erheblich.


Als wissenschaftliches Projekt wird das virtuelle Institut von der Universitätsbibliothek Heidelberg nachhaltig bereitgestellt und gehostet. Begleitet wird das innovative Forschungsprojekt von den Lehrstühlen für Kunstgeschichte der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Nils Büttner) und der Universität Trier (Andreas Tacke).


Innerhalb des Instituts cranach.net werden unter Leitung des Heidelberger Kunsthistorikers Michael Hofbauer systematisch gesammelte Daten online archiviert, verknüpft und zu themenbezogenen Werklisten zusammengefasst.


Der vollständige Bestand von über 14.000 erfassten Dokumenten steht aus rechtlichen Gründen nur angemeldeten Nutzern offen, wobei die Anmeldung zur wissenschaftlichen Nutzung unkompliziert und bei Interesse jederzeit möglich ist.


Um die Werklisten auch der Öffentlichkeit und der fachübergreifenden Forschung zur Verfügung zu stellen, wird seit 2010 zeitgleich an der Publikation CORPUS CRANACH gearbeitet. Im Januar 2011 wurden im ersten Band des Werkkorpus bereits 270 Zeichnungen online und in Buchform publiziert.


Porträt des Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1550, Florenz, Uffizien


Mit der Veröffentlichung der Gesamtübersicht von fast 2.400 Gemälden stellt cranach.net nunmehr die wohl umfangreichste Werkmonografie zur Verfügung, die je über einen Altmeister verfasst wurde. Darin sind nicht nur Werke dokumentiert, die dem Meister selbst oder seinen engen Mitarbeitern zugeschrieben werden, sondern auch die Werke von Epigonen oder Fälschern. Auch sind die Werklisten nicht traditionell in der zeitlichen Chronologie ihrer Entstehung gelistet, sondern nach Motiven. Dadurch wird ein direkter Vergleich möglich, der bislang nur ansatzweise in Ausstellungen oder mit aufwändigem Literaturstudium durchgeführt werden konnte.


Ergänzend dazu verfasst die Universitätsbibliothek Heidelberg unter Leitung von Maria Effinger neben einer Cranach-Bibliografie aus rund 1.500 Werken eine online-Ressource mit Cranach-Literatur.


Die Arbeitsweise als digitales Institut und die ergebnisoffene Dokumentation des rasch wachsenden Datenpools setzen neue Maßstäbe nicht nur bei der Bearbeitung von Werkverzeichnissen, sondern weisen auch der sich zunehmend digitalisierenden Kunstgeschichte den Weg in die Zukunft.


Im Rahmen eines öffentlichen Experten-Gesprächs werden am 22. und 23. September unter dem Titel Cranach 2.0 Arbeitsweisen und Inhalte von cranach.net erläutert und diskutiert. Begleitet wird die Fachtagung durch Vorträge von namhaften Wissenschaftlern.


CORPUS CRANACH ist ab sofort online abrufbar unter: http:// www.corpus-cranach.de

Weitere Informationen unter: http://www.arthistoricum.net/themen/portale/cranach-online/

Kontakt

Dr. Michael Hofbauer
Schloss-Wolfsbrunnenweg 48
69118 Heidelberg
E-Mail: info@cranach-research.de

Prof. Dr. Nils Büttner
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte
E-Mail: nils.buettner@abk-stuttgart.de

Dr. Maria Effinger
Universitätsbibliothek Heidelberg
E-Mail: effinger@ub.uni-heidelberg.de

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Internationale Summer School zur (Kunst-)Fälschung vom 14. bis 22. September 2014 an der Universität Heidelberg

8 September, 2014 - 14:48
Internationale Summer School zur (Kunst-)Fälschung vom 14. bis 22. September 2014 an der Universität Heidelberg

Vor dem Hintergrund spektakulärer Fälschungsfälle sowie einer ständig steigenden Zahl gefälschter Artefakte in Museen und auf dem internationalen Kunstmarkt beschäftigen sich Nachwuchswissenschaftler und Experten aus verschiedenen Disziplinen mit einem Thema, das international hohe Aufmerksamkeit erfährt. Veranstalter der Summer School sind das Heidelberg Center for Cultural Heritage und das Institut für Europäische Kunstgeschichte in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte Ostasiens. In einem öffentlichen Abendvortrag sprechen die Kunsthistoriker Prof. Dr. Henry Keazor und Tina Öcal am 16. September über den Kunstfälscher-Skandal um den Maler Wolfgang Beltracchi.

An der Summer School nehmen knapp 30 junge Forscher aus dem In- und Ausland sowie Experten aus verschiedenen mit dem Thema Kunstfälschung befassten Arbeitsfeldern teil. Die Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Archäologie, Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft oder Museologie kommen unter anderem aus Australien, den USA, China, Großbritannien, Serbien und Portugal. „Diese Sommerschule bietet eine einzigartige Gelegenheit, der Komplexität des Phänomens Fälschung insofern gerecht zu werden, als die Vorstellungen davon, was ‚echt‘ und was ‚falsch‘ ist, wo eine legitime und sogar bewunderte Kopie aufhört und wo eine als verwerflich erachtete Fälschung anfängt, kulturell sehr verschieden sind“, erklärt Prof. Keazor, Sprecher des Instituts für Europäische Kunstgeschichte. Der Geschäftsführende Direktor des Heidelberg Center for Cultural Heritage, Prof. Dr. Christian Witschel, hebt in diesem Zusammenhang vor allem die interdisziplinäre Ausrichtung der Summer School hervor.

Zu den Referenten gehört der Archäologe Prof. Dr. Luis Jaime Castillo Butters, der stellvertretender Minister für kulturelles Erbe und Kulturindustrie in Peru ist. Der Experte für die Moche-Kultur seines Landes wird darüber referieren, inwieweit die südamerikanischen Kunstmärkte von Fälschungen betroffen sind und mit welchen Maßnahmen dieser Handel verhindert werden soll. Der Direktor der Abteilung Court Antiques des Palast Museums Peking, Prof. Dr. Shan Guoqiang, spricht zu der Frage, wie sich die Fälschungsrezeptionen in der chinesischen und der westlichen Welt unterscheiden und welche Auswirkungen dies hat. Von seinen Erfahrungen bei der Jagd nach Kunstfälschern berichtet Kriminalhauptkommissar René Allonge: Der Leiter des Dezernats „Kunstdelikte“ beim Landeskriminalamt Berlin ist der führende Ermittler im Beltracchi-Fall. Prof. Dr. Robert Fuchs von der Universität zu Köln, der mit der „Art Gun“ ein Instrument zur schnellen Überprüfung der Echtheit strittiger Gemälde entwickelte, wird weitere neue „Waffen“ im Kampf gegen Kunstfälschungen vorstellen. Mit Dr. Lynn Catterson von der Columbia University in New York konnte eine weitere angesehene Expertin für die Sommerschule gewonnen werden.

Die Summer School „(Art-)Forgery – Cultural, Social, Economic and Juristic Aspects in a Transcultural Perspective“ wird von der VolkswagenStiftung unterstützt.

Der öffentliche Vortrag von Henry Keazor und Tina Öcal trägt den Titel „The Beltracchi Case in and beyond Art History“. Die englischsprachige Veranstaltung findet im Institut für Europäische Kunstgeschichte statt und beginnt um 19.00 Uhr.

Das Programm der Summer School kann eingesehen werden unter:

www.uni-heidelberg.de/md/hcch/images/summerschoolprogram.pdf

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Laien an die Front

4 September, 2014 - 15:47
In England gar kein Problem

Über Your paintings , die englische Initiative, mit der der größte Teil der in öffentlichen englischen Sammlungen befindlichen Kunstwerke auch wirklich öffentlich gemacht werden soll - also über das Internet - habe ich hier schon einmal berichtet . Neu hinzugekommen und ebenfalls Teil der Public catalogue foundation ist jetzt Art Detective . Darin wird die Öffentlichkeit gebeten, den Museumsprofis bei der Deutung von Kunstwerken zu helfen, etwa bei der Identifikation von dargestellten Personen. Das Feld wird in verschiedene historische Epochen eingeteilt und in Gruppen organisiert, die jeweils eine/n Moderator/in haben. So weit ich das überblicke ist die Beteiligung bislang eher zurückhaltend, aber aller Anfang ist eben schwer. Was schon zu lesen ist, scheint in jedem Fall in hohem Maße ernsthaft und durchaus auch hilfreich. Das dürfte unter anderem mit der Tatsache zu tun haben, dass man sich auf der Seite natürlich anmelden muss.

 

Ein solch unverkrampftes Zugehen auf die Öffentlichkeit ist natürlich typisch englisch bzw. angelsächsisch. Ob so etwas auch in Deutschland vorstellbar wäre?

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2 Tage ohne arthistoricum.net

1 September, 2014 - 17:27
Unterbrechung unserer Services am 3. und 4. September 2014

Im Zuge umfassender Erneuerungen im Rechenzentrum und Datennetz der SLUB in Dresden müssen wir am 3. und 4. September 2014 für zwei Tage unsere Services unterbrechen. Es wird jedoch mit Hochdruck daran gearbeitet, arthistoricum.net schnellstmöglich wieder online zur Verfügung zu stellen.

Wir sind spätestens am 5. September wieder für Sie da. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis.

 

Ihr Team von arthistoricum.net

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