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Tagessätze für freie KunsthistorikerInnen

6 Februar, 2015 - 16:50

Unter den Freischreibern tobte gerade eine Diskussion über angemessene Tagessätze für Journalisten. Auf ein Mitarbeitergesuch der Süddeutschen Zeitung, in dem ein Tagessatz von 152,- Euro angeboten wurde, hatte Timo Stoppacher auf seinem Blog reagiert. Es gab dazu zahlreiche Reaktionen in den sozialen Medien. Miese Tagessätze sind auch ein Thema für Kunsthistoriker/innen, die frei arbeiten wollen oder müssen.

Um vor Fehleinschätzungen, z. B. über die Höhe von Honoraren, gefeit zu sein, wird es im Rahmen des 33. Kunsthistorikertages in Mainz am 27. März 2015 einen Workshop für Gründer und Freiberufler sowie ein Forum geben.

Gründen im Kunst- und Kultursektor
Freitag, 27. März 2015
9.00–12.30 Uhr, Campus Hochschule Mainz, Lucy-Hillebrand-Straße 2
Intensivkurs für Selbständige und Freiberufler aus Kunst- und Kulturwissenschaften

Eine separate Anmeldung bis zum 20.03.2015 per E-Mail erforderlich an:
Maren Osterlitz
iuh – Institut für unternehmerisches Handeln
Tel.: +49 (0)6131 628-3619
E-Mail: workshop(at)kunsthistorikertag.de
(begrenzte Teilnehmerzahl)

Am späteren Nachmittag kann man dann das Forum „Cultural Entrepreneurship“ besuchen, das mit dem Untertitel „Liebe zur Kunst und unternehmerisches Denken – Gegensätze oder notwendige Ergänzung?“ das Tagungsthema des Kunsthistorikertages „Der Wert der Kunst“ aufnimmt und zum Dialog auffordert. Wie schwer es ist, als freier Kunsthistoriker angemessene Tages- und Stundensätze einzufordern, werden alle Betroffenen unterschreiben. Es ist an uns Kunsthistorikern/Innen, diese (auch gegenüber festangestellten Kollegen und Kolleginnen) durchzusetzen. Solch ein Forum könnte ein Möglichkeit darstellen, in Verständigung untereinander zu treten.

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Feuilleton oder Kunstmarkt? Der neue Michelangelo für 2015

5 Februar, 2015 - 11:36

Offenbar aufgrund einer massiven PR-Kampagne des Fitzwilliam Museums in Cambridge verbreitet sich am 2. Februar die Nachricht von einem neuen Michelangelo wie ein Lauffeuer durch die Medien. In der Tat handelt es sich nicht nur um einen, sondern um zwei neue ‚Michelangelos’, um zwei sehr ähnliche, ja fast spiegelbildliche Bronzestatuen, jeweils fast ein Meter hoch, von nackten Männern, die auf Pantern reiten. Die zwei Werke sind seit dem neunzehnten Jahrhundert bekannt. Bode hat sie in seinen Bronzestatuetten   Jacopo Sansovino zugeschrieben. Weihrauch hat sie auch in seinen Europäische Bronzestatuetten (1967) abgebildet. Am 3. Februar hat Gina Thomas aus London in der Printausgabe der Frankfurter Allgemeine Zeitung über den neuen Fund berichtet: „Spektakuläre Neuzuschreibung: Zwei Fäuste für Michelangelo“ ( FAZ , 3.02.2015; online: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/neuzuschreibung-zwei-faeuste-fuer-michelangelo-13404987.html ).

„Die unsignierten Figuren, die 2002 bei Sotheby’s [London] einem britischen Sammler für 1,65 Millionen Pfund zugeschlagen wurden, sind der Kunstgeschichte seit 1878 bekannt, als sie in der Pariser Weltausstellung als Werke Michelangelos ausgestellt wurden.“

Kurz nach 2002 wurden die zwei Bronzen an Wilhelm van Tetrode zugeschrieben (Fritz Scholten, W. van Tetrode , Amsterdam, Rijksmuseum, 2003). In der großen Londoner Ausstellung „ Bronzes “ an der Royal Academy im Jahre 2012 wurden sie als „Rom, um 1550“ gezeigt (Katalog, hrsg. von David Ekserdjian, Nr. 101). Die Datierung scheint richtig.

Die Zeitungen haben ihre Berichte meistens in den Feuilletons gedruckt, als eine Sensation für die Kunstgeschichte. Erst hat die Süddeutsche Zeitung vom 4. Februar 2015 (S. 4, „Meinung“) die Nachricht in einem Meinungsartikel gebracht, unter der Rubrik ‚KUNSTMARKT’: „Die vielen Meisterwerke des Michelangelo“, von Kia Vahland. „Diesmal werden ihm zwei kleine Bronzefiguren zugerechnet.“ „Sie gehören einem Sammler.“ Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin schreibt ferner: „Anstatt erst einmal das Urteil eines Fachkongresses abzuwarten, wandten sie sich mit ihrer Idee an die internationale Presse – in der Hoffnung, dass sich der durchsetzt, der am lautesten schreit.“

Laut Presseberichte sind die zwei Bronzen nicht mehr die 1,65 Millionen Pfund von 2002 wert, sondern 49 Millionen Pfund. Als Kunstwerke sind sie mittelbar oder unmittelbar auf dem Kunstmarkt. Bronzestatuetten sind als Sammlergattung immer sehr marktnahe gewesen. Die Süddeutsche hat die zwei Bronzen richtig eingeordnet: nicht unter Feuilleton sondern unter Kunstmarkt. Ihr Privatbesitzer ist auch im Kunsthandel aktiv. Daher wird die Ausstellung in Cambridge (bis 9. August) auch eine Verkaufsausstellung und der Fachkongress wird zur einer Werbeveranstaltung. Irgendwie bleibt die wissenschaftliche Objektivität auf der Strecke. Das Cambridge Projekt wird von einem sehr kleinen Gremium beraten: zwei Mitglieder sind Kunsthändler.

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Feuilleton oder Kunstmarkt? Der neue Michelangelo für 2015

5 Februar, 2015 - 11:36

Offenbar aufgrund einer massiven PR-Kampagne des Fitzwilliam Museums in Cambridge verbreitet sich am 2. Februar die Nachricht von einem neuen Michelangelo wie ein Lauffeuer durch die Medien. In der Tat handelt es sich nicht nur um einen, sondern um zwei neue ‚Michelangelos’, um zwei sehr ähnliche, ja fast spiegelbildliche Bronzestatuen, jeweils fast ein Meter hoch, von nackten Männern, die auf Pantern reiten. Die zwei Werke sind seit dem neunzehnten Jahrhundert bekannt. Bode hat sie in seinen Bronzestatuetten   Jacopo Sansovino zugeschrieben. Weihrauch hat sie auch in seinen Europäische Bronzestatuetten (1967) abgebildet. Am 3. Februar hat Gina Thomas aus London in der Printausgabe der Frankfurter Allgemeine Zeitung über den neuen Fund berichtet: „Spektakuläre Neuzuschreibung: Zwei Fäuste für Michelangelo“ ( FAZ , 3.02.2015; online: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/neuzuschreibung-zwei-faeuste-fuer-michelangelo-13404987.html ).

„Die unsignierten Figuren, die 2002 bei Sotheby’s [London] einem britischen Sammler für 1,65 Millionen Pfund zugeschlagen wurden, sind der Kunstgeschichte seit 1878 bekannt, als sie in der Pariser Weltausstellung als Werke Michelangelos ausgestellt wurden.“

Kurz nach 2002 wurden die zwei Bronzen an Wilhelm van Tetrode zugeschrieben (Fritz Scholten, W. van Tetrode , Amsterdam, Rijksmuseum, 2003). In der großen Londoner Ausstellung „ Bronzes “ an der Royal Academy im Jahre 2012 wurden sie als „Rom, um 1550“ gezeigt (Katalog, hrsg. von David Ekserdjian, Nr. 101). Die Datierung scheint richtig.

Die Zeitungen haben ihre Berichte meistens in den Feuilletons gedruckt, als eine Sensation für die Kunstgeschichte. Erst hat die Süddeutsche Zeitung vom 4. Februar 2015 (S. 4, „Meinung“) die Nachricht in einem Meinungsartikel gebracht, unter der Rubrik ‚KUNSTMARKT’: „Die vielen Meisterwerke des Michelangelo“, von Kia Vahland. „Diesmal werden ihm zwei kleine Bronzefiguren zugerechnet.“ „Sie gehören einem Sammler.“ Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin schreibt ferner: „Anstatt erst einmal das Urteil eines Fachkongresses abzuwarten, wandten sie sich mit ihrer Idee an die internationale Presse – in der Hoffnung, dass sich der durchsetzt, der am lautesten schreit.“

Laut Presseberichte sind die zwei Bronzen nicht mehr die 1,65 Millionen Pfund von 2002 wert, sondern 49 Millionen Pfund. Als Kunstwerke sind sie mittelbar oder unmittelbar auf dem Kunstmarkt. Bronzestatuetten sind als Sammlergattung immer sehr marktnahe gewesen. Die Süddeutsche hat die zwei Bronzen richtig eingeordnet: nicht unter Feuilleton sondern unter Kunstmarkt. Ihr Privatbesitzer ist auch im Kunsthandel aktiv. Daher wird die Ausstellung in Cambridge (bis 9. August) auch eine Verkaufsausstellung und der Fachkongress wird zur einer Werbeveranstaltung. Irgendwie bleibt die wissenschaftliche Objektivität auf der Strecke. Das Cambridge Projekt wird von einem sehr kleinen Gremium beraten: zwei Mitglieder sind Kunsthändler.

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Museum und Internet

26 Januar, 2015 - 13:36
Ein schwieriges Verhältnis?

Im gerade zu Ende gehenden Semester habe ich mit dem Kollegen Dr. Christian Gries von der Münchener janusmedia ein Seminar über "Museum und Internet" gegeben. Mit großerer Bewunderung wurde darin immer wieder über amerikanische, englische und holländische Initiativen in dem Bereich berichtet, deutsche kamen weniger vor. Auch wenn das Frankfurter Städel deutlich hervorsticht: Irgendwie scheint es hier um das Digitale nicht sonderlich aussichtsreich zu stehen. Dabei stellt sich schnell heraus, was man hier alles machen könnte: Von der Bestandserschließung über die sozialen Medien bis hin zu Möglichkeiten des crowdsourcing haben wir manches besprochen. Aber was hilft das Lamentieren? Es gibt genug Möglichkeiten, die Sache ohne die Museen selber anzupacken. Wie wäre es etwa mit einem selbstorganisierten tweetup im heimatlichen Museum? Oder mit einer eigenständig generierten Ausstellung im Internet, die thematisch oder an einem bestimmten Museum orientiert organisiert sein könnte? Software dafür gibt es. Und wenn man die Sache dann über die genannten sozialen Medien verbreitet, werden auch die Museum selber davon Wind bekommen. Und ich verspreche: Manche werden ganz angetan sein und ihre Scheu vielleicht auch verlieren.

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Museum und Internet

26 Januar, 2015 - 13:36
Ein schwieriges Verhältnis?

Im gerade zu Ende gehenden Semester habe ich mit dem Kollegen Dr. Christian Gries von der Münchener janusmedia ein Seminar über "Museum und Internet" gegeben. Mit großerer Bewunderung wurde darin immer wieder über amerikanische, englische und holländische Initiativen in dem Bereich berichtet, deutsche kamen weniger vor. Auch wenn das Frankfurter Städel deutlich hervorsticht: Irgendwie scheint es hier um das Digitale nicht sonderlich aussichtsreich zu stehen. Dabei stellt sich schnell heraus, was man hier alles machen könnte: Von der Bestandserschließung über die sozialen Medien bis hin zu Möglichkeiten des crowdsourcing haben wir manches besprochen. Aber was hilft das Lamentieren? Es gibt genug Möglichkeiten, die Sache ohne die Museen selber anzupacken. Wie wäre es etwa mit einem selbstorganisierten tweetup im heimatlichen Museum? Oder mit einer eigenständig generierten Ausstellung im Internet, die thematisch oder an einem bestimmten Museum orientiert organisiert sein könnte? Software dafür gibt es. Und wenn man die Sache dann über die genannten sozialen Medien verbreitet, werden auch die Museum selber davon Wind bekommen. Und ich verspreche: Manche werden ganz angetan sein und ihre Scheu vielleicht auch verlieren.

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Roderich Fick (1886–1955) in der Reihe "Hitlers Architekten, Historisch-kritische Monografien zur Regimearchitektur im Nationalsozialismus"

20 Januar, 2015 - 10:44

Gastbeitrag von Lioba Schmitt-Imkamp.

In Anknüpfung an das DFG-Projekt „ Hitlers Architekten: Troost, Speer, Fick und Giesler – Historisch-kritische Studien zur Regimearchitektur des Dritten Reiches “ ist nun der dritte Band zum Architekten Roderich Fick (1886–1955) erschienen. Ziel des Projektes, betreut von Prof. Nerdinger, Technische Universität München, und Prof. Rosenberg, Universität Wien, war es, anhand von vier Dissertationen über Paul Ludwig Troost, Albert Speer, Hermann Giesler und Roderich Fick in Form von Monografien Leben und Werk der Architekten zu beleuchten, die so eng und intensiv mit Hitler zusammengearbeitet haben, wie keine anderen Baumeister dieser Zeit. Obwohl sie als die zentralen Exponenten der Repräsentationsarchitektur im Nationalsozialismus anzusehen sind, fehlten monografische Untersuchungen ihres jeweiligen Werks. Ihre Bauten und Projekte für Hitler fanden fast ausschließlich in Gesamtdarstellungen zur Architektur der Zeit und im Kontext von allgemeiner historischer Einordnung Berücksichtigung. Materielle Grundlage für die Aufarbeitung von Leben und Werk waren die jeweiligen Architektennachlässe, die erstmals wissenschaftlich ausgewertet wurden, sowie die verschiedenen Archivbestände im In- und Ausland und Quellen in Privatbesitz.

Roderich Fick (1886–1955)
, der von Beginn seiner Tätigkeit als Architekt einer handwerklich geprägten, traditionalistischen Bauweise verpflichtet ist, wurde im Nationalsozialismus neben Paul Ludwig Troost, Albert Speer und Hermann Giesler zu einem mit Hitler eng vertrauten Architekten. Er zeichnet für die Bebauung des Obersalzbergs verantwortlich und wird in Hitlers Jugendstadt Linz als Reichsbaurat eingesetzt. Bis zu seinem Tod 1955 lebte Fick in Herrsching und hat auch in der Gemeinde und ihrer Umgebung sichtbare Spuren hinterlassen. Die Diskussion um seine umstrittene Person ist bis heute nicht beendet.

Der Kulturverein Herrsching, das Institut für Zeitgeschichte und der Geschichtsverein Pullach laden am 22.1.2015 zu einer Podiumsdiskussion und der Präsentation des Buches über den Architekten Roderich Fick in der Reihe „Hitlers Architekten“ ein. Nach einer kurzen Vorstellung des Buches folgt eine Podiumsdiskussion über die Rolle Ficks, die er unter Hitlers Architekten sowie innerhalb der süddeutschen Bautradition einnimmt. Auf dem Podium sitzen Fachleute zur Geschichte und Architekturgeschichte von Herrsching, München, Pullach, Obersalzberg und Linz, den wichtigsten Wirkungsorten Roderich Ficks: PD. Dr. Magnus Brechtken, Stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München, Dr. Susanne Meinl vom Geschichtsverein Pullach, Dr. Timo Nüßlein von der Bayerischen Schlösserverwaltung München, Dr. Friedrike Hellerer, Gemeindearchivarin von Herrsching, und Dr. Lioba Schmitt-Imkamp, Autorin des Buches über Roderich Fick. Die Moderation übernimmt PD Dr. Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte München.

Die Veranstaltung und Podiumsdiskussion mit dem Titel „Weltenbummler und Traditionalist – Hitlers Architekt Roderich Fick“ findet am Donnerstag , den 22.1.2015 um 19.30 Uhr im Kurparkschlösschen in Herrsching am Ammersee (Scheuermannstraße 3) statt. Der Eintritt ist frei.


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Roderich Fick (1886–1955) in der Reihe "Hitlers Architekten, Historisch-kritische Monografien zur Regimearchitektur im Nationalsozialismus"

20 Januar, 2015 - 10:44

Gastbeitrag von Lioba Schmitt-Imkamp.

In Anknüpfung an das DFG-Projekt „ Hitlers Architekten: Troost, Speer, Fick und Giesler – Historisch-kritische Studien zur Regimearchitektur des Dritten Reiches “ ist nun der dritte Band zum Architekten Roderich Fick (1886–1955) erschienen. Ziel des Projektes, betreut von Prof. Nerdinger, Technische Universität München, und Prof. Rosenberg, Universität Wien, war es, anhand von vier Dissertationen über Paul Ludwig Troost, Albert Speer, Hermann Giesler und Roderich Fick in Form von Monografien Leben und Werk der Architekten zu beleuchten, die so eng und intensiv mit Hitler zusammengearbeitet haben, wie keine anderen Baumeister dieser Zeit. Obwohl sie als die zentralen Exponenten der Repräsentationsarchitektur im Nationalsozialismus anzusehen sind, fehlten monografische Untersuchungen ihres jeweiligen Werks. Ihre Bauten und Projekte für Hitler fanden fast ausschließlich in Gesamtdarstellungen zur Architektur der Zeit und im Kontext von allgemeiner historischer Einordnung Berücksichtigung. Materielle Grundlage für die Aufarbeitung von Leben und Werk waren die jeweiligen Architektennachlässe, die erstmals wissenschaftlich ausgewertet wurden, sowie die verschiedenen Archivbestände im In- und Ausland und Quellen in Privatbesitz.

Roderich Fick (1886–1955)
, der von Beginn seiner Tätigkeit als Architekt einer handwerklich geprägten, traditionalistischen Bauweise verpflichtet ist, wurde im Nationalsozialismus neben Paul Ludwig Troost, Albert Speer und Hermann Giesler zu einem mit Hitler eng vertrauten Architekten. Er zeichnet für die Bebauung des Obersalzbergs verantwortlich und wird in Hitlers Jugendstadt Linz als Reichsbaurat eingesetzt. Bis zu seinem Tod 1955 lebte Fick in Herrsching und hat auch in der Gemeinde und ihrer Umgebung sichtbare Spuren hinterlassen. Die Diskussion um seine umstrittene Person ist bis heute nicht beendet.

Der Kulturverein Herrsching, das Institut für Zeitgeschichte und der Geschichtsverein Pullach laden am 22.1.2015 zu einer Podiumsdiskussion und der Präsentation des Buches über den Architekten Roderich Fick in der Reihe „Hitlers Architekten“ ein. Nach einer kurzen Vorstellung des Buches folgt eine Podiumsdiskussion über die Rolle Ficks, die er unter Hitlers Architekten sowie innerhalb der süddeutschen Bautradition einnimmt. Auf dem Podium sitzen Fachleute zur Geschichte und Architekturgeschichte von Herrsching, München, Pullach, Obersalzberg und Linz, den wichtigsten Wirkungsorten Roderich Ficks: PD. Dr. Magnus Brechtken, Stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München, Dr. Susanne Meinl vom Geschichtsverein Pullach, Dr. Timo Nüßlein von der Bayerischen Schlösserverwaltung München, Dr. Friedrike Hellerer, Gemeindearchivarin von Herrsching, und Dr. Lioba Schmitt-Imkamp, Autorin des Buches über Roderich Fick. Die Moderation übernimmt PD Dr. Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte München.

Die Veranstaltung und Podiumsdiskussion mit dem Titel „Weltenbummler und Traditionalist – Hitlers Architekt Roderich Fick“ findet am Donnerstag , den 22.1.2015 um 19.30 Uhr im Kurparkschlösschen in Herrsching am Ammersee (Scheuermannstraße 3) statt. Der Eintritt ist frei.


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Digital humanities reloaded

12 Januar, 2015 - 09:30
Drei anstehende Tagungen

Dass die Digital Humanities zur Zeit einen Lauf haben, merkt man z.B. daran, dass an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen sogenannte "Center" gegründet werden, die den Eindruck erwecken sollen, dass die Musik genau an diesem Ort spielt. Oder an den vielen Tagungen zum Thema. Drei davon, die in nächster Zeit stattfinden, möchte ich hier ankündigen. Das eine ist die etwas unbescheiden "DHSummit" genannte Veranstaltung in Berlin, bei der insbesodere strukturelle Probleme der Digital Humanities im Vordergrund stehen, bis hin zu den Erfahrungen mit einschlägigen Studiengängen. Unmittelbar danach widmet sich die Düsseldorfer Gerda Henkel Stiftung in Kooperation mit dem Konstanzer Wissenschaftsforum der  Zukunft der Wissensspeicher und damit einem konkreteren Thema, das für die Gesamtheit der Wissenschaften eine zweifellos entscheidende Rolle spielt. Und dann findet schon Ende Februar die große Digital Humanities-Konferenz im deutschsprachigen Raum in Graz statt. Diesjähriges Motto: "Von Daten zu Erkenntnissen: Digitale Geisteswissenschaften als Mittler zwischen Information und Interpretation". Übrigens: Einen Überblick über spezifisch kunsthistorische Veranstaltungen in dem Feld bekommen Sie beim Arbeitskreis für digitale Kunstgeschichte hier .

 



 

 

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Digital humanities reloaded

12 Januar, 2015 - 09:30
Drei anstehende Tagungen

Dass die Digital Humanities zur Zeit einen Lauf haben, merkt man z.B. daran, dass an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen sogenannte "Center" gegründet werden, die den Eindruck erwecken sollen, dass die Musik genau an diesem Ort spielt. Oder an den vielen Tagungen zum Thema. Drei davon, die in nächster Zeit stattfinden, möchte ich hier ankündigen. Das eine ist die etwas unbescheiden "DHSummit" genannte Veranstaltung in Berlin, bei der insbesodere strukturelle Probleme der Digital Humanities im Vordergrund stehen, bis hin zu den Erfahrungen mit einschlägigen Studiengängen. Unmittelbar danach widmet sich die Düsseldorfer Gerda Henkel Stiftung in Kooperation mit dem Konstanzer Wissenschaftsforum der  Zukunft der Wissensspeicher und damit einem konkreteren Thema, das für die Gesamtheit der Wissenschaften eine zweifellos entscheidende Rolle spielt. Und dann findet schon Ende Februar die große Digital Humanities-Konferenz im deutschsprachigen Raum in Graz statt. Diesjähriges Motto: "Von Daten zu Erkenntnissen: Digitale Geisteswissenschaften als Mittler zwischen Information und Interpretation". Übrigens: Einen Überblick über spezifisch kunsthistorische Veranstaltungen in dem Feld bekommen Sie beim Arbeitskreis für digitale Kunstgeschichte hier .

 



 

 

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Neuer Cranach aufgetaucht

26 Dezember, 2014 - 20:39
Ist der Weihnachtsmann der neue Adam?

Weitere Untersuchungen werden ergeben müssen, ob es sich bei dem kürzlich aufgetauchten Bild um eine Fälschung handelt oder ob die Weihnachtsgeschichte umgeschrieben werden muss. Es bleibt also spannend!

Namhafte weibliche Wissenschaftler haben bereits die Meinung geäußert, dass der Wahrheitsgehalt dieser Bildtradition nicht ohne einen gewissen Reiz sei.

<article>

</article>

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Neuer Cranach aufgetaucht

26 Dezember, 2014 - 20:39
Ist der Weihnachtsmann der neue Adam?

Weitere Untersuchungen werden ergeben müssen, ob es sich bei dem kürzlich aufgetauchten Bild um eine Fälschung handelt oder ob die Weihnachtsgeschichte umgeschrieben werden muss. Es bleibt also spannend!

Namhafte weibliche Wissenschaftler haben bereits die Meinung geäußert, dass der Wahrheitsgehalt dieser Bildtradition nicht ohne einen gewissen Reiz sei.

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Arbeitskreis Graphik vernetzt ist jetzt online

17 Dezember, 2014 - 09:06

Gerade Graphische Sammlungen profitieren von den Möglichkeiten der digitalen Erschließung und Präsentation ihrer Bestände, können doch die Originale aus konservatorischen Gründen nur sehr selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit dem Ziel, gemeinsame Digitalisierungsstandards zu verabreden und Strategien für die digitale Vernetzung zu entwerfen, wurde der Arbeitskreis Graphik vernetzt bereits 2011 gegründet. Zu seinen Mitgliedern gehören etwa 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen internationaler Graphischer Sammlungen (Museen, Bibliotheken und Archive). Der Arbeitskreis dient dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Unterstützung bei digitalen Erschließungsvorhaben. Im Auftrag des Arbeitskreises Graphik vernetzt betreibt das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg das Graphikportal . Dieses ab Herbst 2015 im Internet öffentlich zugängliche Verbundsystem hat das Ziel, die Bestände möglichst vieler graphischer Sammlungen zu präsentieren und gemäß wissenschaftlichen Anforderungen recherchierbar zu machen.

Alle Mitarbeiter Graphischer Sammlungen, die sich für das Thema der digitalen Publikation ihrer Bestände interessieren, sind herzlich eingeladen, sich dem Arbeitskreis anzuschließen. Nähere Informationen erhalten Sie hier .

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Arbeitskreis Graphik vernetzt ist jetzt online

17 Dezember, 2014 - 09:06

Gerade Graphische Sammlungen profitieren von den Möglichkeiten der digitalen Erschließung und Präsentation ihrer Bestände, können doch die Originale aus konservatorischen Gründen nur sehr selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit dem Ziel, gemeinsame Digitalisierungsstandards zu verabreden und Strategien für die digitale Vernetzung zu entwerfen, wurde der Arbeitskreis Graphik vernetzt bereits 2011 gegründet. Zu seinen Mitgliedern gehören etwa 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen internationaler Graphischer Sammlungen (Museen, Bibliotheken und Archive). Der Arbeitskreis dient dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Unterstützung bei digitalen Erschließungsvorhaben. Im Auftrag des Arbeitskreises Graphik vernetzt betreibt das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg das Graphikportal . Dieses ab Herbst 2015 im Internet öffentlich zugängliche Verbundsystem hat das Ziel, die Bestände möglichst vieler graphischer Sammlungen zu präsentieren und gemäß wissenschaftlichen Anforderungen recherchierbar zu machen.

Alle Mitarbeiter Graphischer Sammlungen, die sich für das Thema der digitalen Publikation ihrer Bestände interessieren, sind herzlich eingeladen, sich dem Arbeitskreis anzuschließen. Nähere Informationen erhalten Sie hier .

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Krise der Kunstgeschichte

16 Dezember, 2014 - 13:53
Eine nicht nur amerikanische Diskussion

Von einer Krise der Kunstgeschichte spricht man in Deutschland spätestens seit Hans Beltings vielfach aufgelegtem Buch "Das Ende der Kunstgeschichte" (1983). Die dort vorgenommene Reflexion einer wissenschaftlichen Praxis, die von alten, inzwischen obsolet gewordenen Weisen der Kunstproduktion angeregt sei, findet sich in den USA gleichsam auf eine konkretere Diskussion heruntergebrochen wieder. Im Jahr 2011 haben die "Visual Resources: An International Journal of Documentation" ein von Patricia Mainardi betreutes, auf eine Sektion auf dem amerikanischen Kunsthistorikertag zurückgehendes Sonderheft herausgebracht, in dem einige prominente Vertreter der amerikanischen Kunstgeschichte Indizien für diese Krise gesammelt haben. Im wesentlichen lassen sich immer wieder zwei Motive hier benennen:

1) Im Zuge des Durchbruchs einer "art history of the contemporary", die inzwischen dazu neige, das Feld ausschließlich zu bestimmen, habe sich eine Arbeitsweise etabliert, die mit der klassisch historischen nicht mehr wirklich kompatibel sei. Pepe Karmel , immerhin ein ausgewiesener Kunstkritiker zeitgenössischer Kunst, bedauert dies ausdrücklich. Nicht nur hält er die Argumentation, zeitgenössische Kunst sei etwas völlig anderes als ältere, für irreführend, im Kontext einer breiten, vor allem auch vom Kunsthandel angetriebenen Verschiebung des Interesses von älterer zu zeitgenössischer Kunst sieht er hier die Gefahr, dass eine völlige Konzentration auf Gegenwärtigkeit eintrete - und damit eine Entwicklung, die historisches Fragen ganz entwerte. (320) Einher damit geht eine Fokussierung der Studierenden auf das Zeitgenössische, das Wolfgang Kemp an anderer Stelle auch schon einmal festgestellt hatte (Merkur, H. 752, Januar 2011, S. 59) Karmel sieht keinen Ausweg darin, Studierende auf historisch-einordnende Fragestellungen im Angesicht zeitgenössischer Kunst zu verpflichten. (325) Dabei dürfte dies der einzige Weg sein, eine Methodologie zu "retten", die sich an anderer Stelle bewährt hat. Denn die Alternative ist häufig eine distanzlose, im Rahmen des kunstkritischen Diskurses aber durchaus angemessene Rede. (Ich erlaube mir hier den Verweis auf diesen Text.

2) Das Digitale und hier insbesondere das Internet habe sich mit großer Macht durchgesetzt und auch die Kunstgeschichte verändert. Patricia Rubin spricht von einem Studierendentypus , den sie etwas verächtlich als "homo zappiens" bezeichnet (311). Stephen Murray , an der New Yorker Columbia University sehr aktiv in der Digitalisierung der Lehrmittel engagiert, bemängelt, dass man sich wenig um die Erneuerung der Lehre im Zeichen des Digitalen bemühe und statt dessen Power Point genauso benütze wie früher Diapositive. (316) Nichtsdestoweniger glaubt er, dass das Digitale "has the potential to continue  to animate and energize our intellectual and pedagogical missions." (317)

Maxwell Anderson (jetzt Direktor des Dallas Museum of Art) nennt mit Blick auf die Krise der Kunstgeschichte 10 Probleme und liefert Lösungsansätze gleich mit - sein Beitrag vermag am meisten zu beeindrucken. Eines der Probleme ist die Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit ganz hin auf die sogenannten STM Fächer, was angesichts der wirtschaftlichen Krise der USA und ihres drohenden Rückfalls gegenüber einstigen Entwicklungsländern wie China nicht verwundern sollte, aber trotzdem auch in seinen Augen kurzsichtig ist. Auch die von ihm genannte Konzentration auf westliche Kunst angesichts eines immer größeren nicht-westlichen Bevölkerungsanteils dürfte über kurz oder lang in Europa problematisch werden - wenn sie es nicht schon ist. (337) Die vom französischen (Post-)Stukturalismus eingeleitete Theorielastigkeit des Faches habe eine Objektorientierung entwertet, die das Fach einmal durch und durch bestimmt habe. (337) Auch bei Anderson spielt das Digitale eine zwiespältige Rolle, indem es einerseits die Informationsmöglichkeiten fast ins Unendliche erweitert habe, andererseits nicht über riesige Wissenslücken im Grundständigen vor allem bei den Jüngeren hinwegtäuschen könne - wenn nicht diese sogar mitbewirkt habe (338) Andererseits hat er sehr avancierte Vorstellungen über tiefergehende methodische Transformationen, die vom Digitalen angeregt werden. Ganz erstaunlich ist seine - immerhin schon 2011 getätigte - Feststellung, dass im weitesten Sinne crowdgesourcte Infomationsgenerierung (man denke hier nur an die wikipedia) den Experten als "gatekeeper" tendenziell relativiere. (338) Kollaborative Arbeitsweisen seien im Aufwind, das akademische "reward system" habe das aber noch nicht zur Kenntnis genommen. (339) Überhaupt wird man festhalten dürfen, dass in dem Band über die "crisis in art history" insgesamt erstaunlich weitsichtigeAnalysen geliefert werden, dass davon in die adademische Praxis aber bislang wenig eingegangen ist. Auch nicht in den USA.

Und die Lösungsansätze. (340f.) Auch hier nur eine Auswahl. Für den Museumsbereich, in dem Anderson schließlich selber tätig ist - manches wäre sicherlich auf andere Felder übertragbar - empfiehlt er die ausdrückliche Ermutigung von Afro-Americans, diesen Karriereweg zu beschreiten. Für ihn ist darüber hinaus unverzichtbar, ethische Überlegungen in Sammlungspolitiken mit einzubeziehen - auch hier dürfte die Übertragbarkeit auf Europa naheliegen. Nicht unumstritten wird seine Forderung sein, auf das stürmische Voranschreiten der STM-Fächer nicht etwa durch Abgrenzung zu reagieren, sondern durch stärkere Einbeziehung naturwissenschaftlicher Methoden. Hierhin gehört natürlich auch seine Favorisierung informatischer Herangehensweisen - mir natürlich ebenfalls sehr sympathisch. Unorthodox dürfte auch seine Forderung sein, den Kunsthistorikernachwuchs nicht immer nur auf ein karges materielles, dafür aber um so lohnenderes intellektuelles Leben einzustimmen, sondern ihm zu sagen, dass man auch eine Menge Geld verdienen kann, wenn man gut ist.Und dann natürlich die Hoffnung, dass zukünftig Team-basierte Arbeitsweisen die ihnen angemessene Anerkennung erhalten.

Insgesamt empfehle ich den schmalen Band auch nach drei Jahren noch zur Lektüre, weil doch einiges in ihm auch die europäische Diskussion um eine Krise der Kunstgeschichte anregen kann. Gibt es diese Diskussion hier überhaupt jenseits Belting und jenseits von Gesprächen in der Teeküche vielleicht doch nicht? Oder gibt es hier vielleicht gar keine Krise?

 

 

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Krise der Kunstgeschichte

16 Dezember, 2014 - 13:53
Eine nicht nur amerikanische Diskussion

Von einer Krise der Kunstgeschichte spricht man in Deutschland spätestens seit Hans Beltings vielfach aufgelegtem Buch "Das Ende der Kunstgeschichte" (1983). Die dort vorgenommene Reflexion einer wissenschaftlichen Praxis, die von alten, inzwischen obsolet gewordenen Weisen der Kunstproduktion angeregt sei, findet sich in den USA gleichsam auf eine konkretere Diskussion heruntergebrochen wieder. Im Jahr 2011 haben die "Visual Resources: An International Journal of Documentation" ein von Patricia Mainardi betreutes, auf eine Sektion auf dem amerikanischen Kunsthistorikertag zurückgehendes Sonderheft herausgebracht, in dem einige prominente Vertreter der amerikanischen Kunstgeschichte Indizien für diese Krise gesammelt haben. Im wesentlichen lassen sich immer wieder zwei Motive hier benennen:

1) Im Zuge des Durchbruchs einer "art history of the contemporary", die inzwischen dazu neige, das Feld ausschließlich zu bestimmen, habe sich eine Arbeitsweise etabliert, die mit der klassisch historischen nicht mehr wirklich kompatibel sei. Pepe Karmel , immerhin ein ausgewiesener Kunstkritiker zeitgenössischer Kunst, bedauert dies ausdrücklich. Nicht nur hält er die Argumentation, zeitgenössische Kunst sei etwas völlig anderes als ältere, für irreführend, im Kontext einer breiten, vor allem auch vom Kunsthandel angetriebenen Verschiebung des Interesses von älterer zu zeitgenössischer Kunst sieht er hier die Gefahr, dass eine völlige Konzentration auf Gegenwärtigkeit eintrete - und damit eine Entwicklung, die historisches Fragen ganz entwerte. (320) Einher damit geht eine Fokussierung der Studierenden auf das Zeitgenössische, das Wolfgang Kemp an anderer Stelle auch schon einmal festgestellt hatte (Merkur, H. 752, Januar 2011, S. 59) Karmel sieht keinen Ausweg darin, Studierende auf historisch-einordnende Fragestellungen im Angesicht zeitgenössischer Kunst zu verpflichten. (325) Dabei dürfte dies der einzige Weg sein, eine Methodologie zu "retten", die sich an anderer Stelle bewährt hat. Denn die Alternative ist häufig eine distanzlose, im Rahmen des kunstkritischen Diskurses aber durchaus angemessene Rede. (Ich erlaube mir hier den Verweis auf diesen Text.

2) Das Digitale und hier insbesondere das Internet habe sich mit großer Macht durchgesetzt und auch die Kunstgeschichte verändert. Patricia Rubin spricht von einem Studierendentypus , den sie etwas verächtlich als "homo zappiens" bezeichnet (311). Stephen Murray , an der New Yorker Columbia University sehr aktiv in der Digitalisierung der Lehrmittel engagiert, bemängelt, dass man sich wenig um die Erneuerung der Lehre im Zeichen des Digitalen bemühe und statt dessen Power Point genauso benütze wie früher Diapositive. (316) Nichtsdestoweniger glaubt er, dass das Digitale "has the potential to continue  to animate and energize our intellectual and pedagogical missions." (317)

Maxwell Anderson (jetzt Direktor des Dallas Museum of Art) nennt mit Blick auf die Krise der Kunstgeschichte 10 Probleme und liefert Lösungsansätze gleich mit - sein Beitrag vermag am meisten zu beeindrucken. Eines der Probleme ist die Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit ganz hin auf die sogenannten STM Fächer, was angesichts der wirtschaftlichen Krise der USA und ihres drohenden Rückfalls gegenüber einstigen Entwicklungsländern wie China nicht verwundern sollte, aber trotzdem auch in seinen Augen kurzsichtig ist. Auch die von ihm genannte Konzentration auf westliche Kunst angesichts eines immer größeren nicht-westlichen Bevölkerungsanteils dürfte über kurz oder lang in Europa problematisch werden - wenn sie es nicht schon ist. (337) Die vom französischen (Post-)Stukturalismus eingeleitete Theorielastigkeit des Faches habe eine Objektorientierung entwertet, die das Fach einmal durch und durch bestimmt habe. (337) Auch bei Anderson spielt das Digitale eine zwiespältige Rolle, indem es einerseits die Informationsmöglichkeiten fast ins Unendliche erweitert habe, andererseits nicht über riesige Wissenslücken im Grundständigen vor allem bei den Jüngeren hinwegtäuschen könne - wenn nicht diese sogar mitbewirkt habe (338) Andererseits hat er sehr avancierte Vorstellungen über tiefergehende methodische Transformationen, die vom Digitalen angeregt werden. Ganz erstaunlich ist seine - immerhin schon 2011 getätigte - Feststellung, dass im weitesten Sinne crowdgesourcte Infomationsgenerierung (man denke hier nur an die wikipedia) den Experten als "gatekeeper" tendenziell relativiere. (338) Kollaborative Arbeitsweisen seien im Aufwind, das akademische "reward system" habe das aber noch nicht zur Kenntnis genommen. (339) Überhaupt wird man festhalten dürfen, dass in dem Band über die "crisis in art history" insgesamt erstaunlich weitsichtigeAnalysen geliefert werden, dass davon in die adademische Praxis aber bislang wenig eingegangen ist. Auch nicht in den USA.

Und die Lösungsansätze. (340f.) Auch hier nur eine Auswahl. Für den Museumsbereich, in dem Anderson schließlich selber tätig ist - manches wäre sicherlich auf andere Felder übertragbar - empfiehlt er die ausdrückliche Ermutigung von Afro-Americans, diesen Karriereweg zu beschreiten. Für ihn ist darüber hinaus unverzichtbar, ethische Überlegungen in Sammlungspolitiken mit einzubeziehen - auch hier dürfte die Übertragbarkeit auf Europa naheliegen. Nicht unumstritten wird seine Forderung sein, auf das stürmische Voranschreiten der STM-Fächer nicht etwa durch Abgrenzung zu reagieren, sondern durch stärkere Einbeziehung naturwissenschaftlicher Methoden. Hierhin gehört natürlich auch seine Favorisierung informatischer Herangehensweisen - mir natürlich ebenfalls sehr sympathisch. Unorthodox dürfte auch seine Forderung sein, den Kunsthistorikernachwuchs nicht immer nur auf ein karges materielles, dafür aber um so lohnenderes intellektuelles Leben einzustimmen, sondern ihm zu sagen, dass man auch eine Menge Geld verdienen kann, wenn man gut ist.Und dann natürlich die Hoffnung, dass zukünftig Team-basierte Arbeitsweisen die ihnen angemessene Anerkennung erhalten.

Insgesamt empfehle ich den schmalen Band auch nach drei Jahren noch zur Lektüre, weil doch einiges in ihm auch die europäische Diskussion um eine Krise der Kunstgeschichte anregen kann. Gibt es diese Diskussion hier überhaupt jenseits Belting und jenseits von Gesprächen in der Teeküche vielleicht doch nicht? Oder gibt es hier vielleicht gar keine Krise?

 

 

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