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Kultur im WWW

6 Mai, 2015 - 15:46
Zwei gute Newsletter

Newsletter sind normalerweise nicht so mein Ding. Richtig gespannt bin ich aber immer wieder auf zwei dieser Hinweissammlungen, die sich um das digitale Bild und alles das drehen, was unter dem Stichwort "Bildkultur im Netz" zusammenzufassen ist. Kultur im Web von der pausanio-Akademie und der prometheus-newsletter . Zwei ganz vorzügliche Quellen, die knapp und präzise aktuelle Tendenzen in den Feldern ansprechen und vor allem auch wichtige Veranstaltungen rund um das Thema zusammenstellen.

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Faule Eier – oder was es zu vertuschen gilt

28 April, 2015 - 14:16
  • Andre Gill, L'Éclipse et la censure, in: L' Eclipse 4.1871, Nr. 161, Titelseite (Universitätsbibliothek Heidelberg)

Einen regelrechten Eiertanz legt der mit einer Augenbinde versehene Journalist aufs Parkett. Im November 1871 thematisierte André Gill (1840–1885) erneut die Einschränkung der Pressefreiheit auf der Titelseite der wöchentlich erschienenen Satirezeitschrift „L’Éclipse“ . Schon mehrfach hatte er sich dieses Themas angenommen, es blieb – zum Leidwesen für ihn und seine Kollegen – weiterhin aktuell.

Die überdimensional großen Eier sind mit jenen heiklen Stichwörtern beschriftet, die ein Journalist in jenen Tagen besser nicht erwähnen sollte. Sie betreffen gleichermaßen Innen- wie Außenpolitik, wirtschaftliche, historische und rechtliche Fragen. Die dem Journalisten verpassten Augenbinde hindert ihn an der genaueren Betrachtung oder gar intensiven Analyse der unter der Eierschale verborgenen Inhalte. Alle Stichwörter sind sie heikel und fragil wie rohe Eier. Nicht immer wirken die Themenkreise frisch oder tagesaktuell, sondern greifen mitunter in die französische Geschichte des 19. Jahrhunderts zurück, wie die Bezeichnung „Bonapartisme“ suggeriert. Das mit „Lois“ (= Gesetze) beschrifte weiße Ei wirft einen harten Schlagschatten auf das dahinter befindliche blaue Ei. In der Kreuzschraffur ist der Schriftzug „Vie privée“ kaum noch auszumachen. Selbst die Privatsphäre also blieb in der übertreibenden Darstellung Gills von den Zensurbestimmungen nicht verschont. Schon ein einfaches „Oui“ oder „Non“ konnte einem Journalisten zum Verhängnis werden.

Allumfassend erscheinen jene Restriktionen, die mit der Machtübernahme durch Adolphe Thiers (1797–1877) ab 31. August 1871 erneut die Pressefreiheit einschränkten. Als erster Staatspräsident der Dritten Republik vertrat Thiers eine konservative, aber republikanisch ausgerichtete Politik. Das mit seiner Ernennung verabschiedete „Loi Rivet“ hatte zunächst provisorischen Charakter und wälzte dabei die Verantwortung für Entscheidungen auf die Minister ab. Zugleich konnte Thiers aber auch jederzeit wieder abberufen werden. Mit harter Hand hatte er im Mai 1871 die Pariser Commune aufgelöst. Nun lag es an ihm, das durch den Deutsch-Französischen Krieg mental und pekuniär arg gebeutelte Frankreich zu neuer Größe heranzuführen. Bismarck hatte hohe Reparationsleistungen ausgehandelt, die Dritte Republik saß keineswegs fest im Sattel, denn die Royalisten versuchten mit allen Mitteln und höchst uneinig, die Monarchie wieder einzuführen. Keine leichte Situation, in der sich Thiers in jenen Tagen befand, musste er doch gleichzeitig auch seine eigene Position und Legitimation behaupten.

In solchen Fällen ist das Recht auf freie Meinungsäußerung stets gefährdet. Kritische Stimmen oder gar Verunglimpfungen durch Karikaturen wirken kontraproduktiv auf den Ausbau von Machtpositionen und auf das Durchsetzungsvermögen von Politikern. Deshalb bleibt dieses Thema auch aktuell, und dies nicht nur in Staaten, in denen generell die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Einschränkungen der freien Meinungsäußerung laufen nur in der Außenbetrachtung unter der Bezeichnung „Zensur“. Den eigenen Bürgern gegenüber treten andere Begrifflichkeiten zum Vorschein – quasi eine Fortführung des Eiertanzes, wenn das Kind nicht beim Namen genannt werden soll, nur diesmal von jenen vollführt, die sich jene Beschränkungen ausdenken. Jüngstes Beispiel ist der errungene Kompromiss der deutschen Bundesregierung zur Höchstspeicherfrist alias Vorratsdatenspeicherung. Das Sammeln von Telefon- und Internetdaten stellt zwar im engeren Sinne keine Zensur dar, doch beweist die Ausnahmeregelung für Journalisten, Pfarrer, Seelsorger und Ärzte, dass mehr als nur ein Verbindungsnachweis über einen begrenzten Zeitraum denkbar wäre – und deshalb auch nicht auszuschließen ist, dass diese Kommunikationskontrolle eine Einschränkung der Bürgerrechte impliziert. Übrigens sorgte die wenige Minuten nach dieser dpa-Meldung eingegangene Nachricht vom bevorstehenden Rücktritt Jürgen Klopps als Trainer des BVB Dortmund für weit größere Wellen in der Presse!

Wie wichtig den Herausgebern der Karikaturzeitschriften des 19. Jahrhunderts die eigene Interpretationsmöglichkeit von Zeitgeschehen war, lässt sich daran ablesen, dass sie – sobald ihnen die Zensur mit dem Aus drohte – nicht aufgaben. „L‘Éclipse“ ist die Nachfolgerin der zwischen 1865 und 1868 herausgegebenen Karikaturzeitschrift „La Lune“ . Auf seiner weißen Weste trägt der Künstler André Gill, der sich in dieser Karikatur selbst darstellt, beide Embleme der Zeitschriften – den klaren Vollmond und dessen verfinsterte Erscheinung. Insofern ist das für dieses Themenportal gewählte Leitbild programmatisch zu lesen: Schreiben wir an für den Erhalt der Meinungsäußerung, wagen wir den Eiertanz – nicht nur an dieser Stelle!

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Punkt, Punkt, Komma, Strich – Zeichnen zwischen Kunst und Wissenschaft | 1525 bis 1925

28 April, 2015 - 08:50
  • Heinrich Lautensack, Des Circkels vnnd Richtscheyt, auch der Perspektiva und Proportion der Menschen und Rosse kurtze, doch gründtliche Underweisung deß rechten Gebrauchs, [Frankfurt am Main] 1564

Bereits vor einem Jahr konnte hier an dieser Stelle über die Eröffnung einer Ausstellung zu Zeichenbüchern und Vorlagenwerken des 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München berichtet werden. Nun wird heute Abend in der Universitätsbibliothek Heidelberg die zweite Station dieser Ausstellung eröffnet, deutlich erweitert zeigt sie nun 120 Exponate, außer den Lehrbüchern auch Zeichnungen sowie Zeicheninstrumente aus vier Jahrhunderten. Parallel dazu gibt es eine virtuelle Ausstellung .

Die Ausstellung verfolgt  die Entwicklung europäischer Zeichenlehrbücher und ihrer Didaktiken über vier Jahrhunderte hinweg. Sie präsentiert zahlreiche Beispiele der praktischen Anwendung dieser Zeichenkompetenzen zwischen Kunst, Technik und Wissenschaft.

Zeichen-Unterricht war von der Renaissance bis zum Beginn der Moderne fester Bestandteil von Erziehung und Ausbildung. Ohne Fähigkeiten im Zeichnen ließ sich weder als Künstler oder Handwerker noch als Ingenieur oder Wissenschaftler arbeiten, selbst die Freizeitbeschäftigungen basierten vielfach darauf. Ob Menschen und Tiere, ob Landschaften und Blumen, Bauwerke, Maschinen und Gerätschaften, ob Landkarten, Ornamente oder wissenschaftliche Befunde und Proben: Gezeichnet wurde nicht nur das gesamte Spektrum des Sichtbaren. Es bildeten sich für diese unterschiedlichen Anforderungen auch ganz verschiedene Darstellungskonventionen und 'Zeichenstile' heraus. Diese prägten entscheidend das europäische Sehen und Denken. Allerdings gilt es die volle Bedeutung dieser allgegenwärtigen Zeichnungen immer noch zu entdecken und im Verhältnis zum lange Zeit vorrangig untersuchten 'Textwissen' richtig einzuordnen.

Auch diese zweite Ausstellung steht im Kontext des Forschungsprojekts Episteme der Linien - Theorien und Praktiken von Zeichnen und Zeichnung | 1400-2000 in Kooperation des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und des Instituts für Kunstgeschichte der LMU.  Das Projekt „Episteme der Linien“ verbindet die Bereitstellung und neuartige digitale Erschließung dieses bislang praktisch nicht beachteten Quellen-Corpus mit einem größeren Forschungsvorhaben. Der großer Teil der in dem Projekt bearbeiteten Zeichenbücher wurde in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert und kann online eingesehen werden, gefördert durch die DFG im Kontext von arthistoricum.net.

  • Eine Zeichnerin mit Freundin, 1795/1810, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Aktueller Katalog zur Ausstellung

Maria Heilmann, Nino Nanobashvili, Ulrich Pfisterer, Tobias Teutenberg (Hg.):  Lernt Zeichnen! Techniken zwischen Kunst und Wissenschaft | 1525–1925, Passau: Dietmar Klinger Verlag 2015

Bereits zur 1. Station der Ausstellung vom 24. April bis 29. Juni 2014 in München erschien ein Katalog, auf dem der aktuelle Katalog aufbaut.

Maria Heilmann / Nino Nanobashvili / Ulrich Pfisterer / Tobias Teutenberg (Hg.): Punkt, Punkt, Komma, Strich. Zeichenbücher in Europa | ca. 1525-1925, Passau: Dietmar Klinger Verlag 2014 ( online zugänglich )


Weitere Informationen zu Ausstellung und Projekt

 

 

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Zwei Gründerseminare des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker

21 April, 2015 - 15:45

Die erste Veranstaltung 2014 sowie der Workshop und das Forum zu Cultural Entre­pre­neurship am XXXIII. Deutschen Kunsthistorikertag in Mainz haben es bestätigt: Ein Großteil der Absolventinnen und Absolventen der Kunstge­schichte geht nach dem Ab­schluss in die Freiberuflichkeit und sucht nach re­levanten Informationen zur Gründung in der Kultur- und Kreativwirtschaft. An den Universitäten wird trotz Gründerbüros die­ses spezielle Wissen für Kul­tur­schaffende nur sehr unzureichend angeboten.

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker veranstaltet 2015 daher zwei Grün­der­seminare für Studierende höheren Semesters und für Absolventen, die frei­beruflich oder selb­stän­dig tätig sein wollen. Das Seminar vermittelt die Grundlagen für die Gründung und geht dabei besonders auf die Bedingungen im Kulturbereich (Cultural Entrepreneur­ship) ein.

Am ersten Tag geht es um Grundlagen: Geschäftsidee und Geschäftsmodell, Rechts­formen einer Gründung, Kunden, Markt und Wettbewerb, Marketing, Kostenrechnung, Steuer und Buchhaltung sowie Versicherung.

Am zweiten Tag wollen wir uns ganz dem Businessplan widmen, der nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Förderung durch offizielle Stellen und für die Banken wich­tig ist. Und dass die Entwicklung des eigenen Geschäfts­modell auch Spaß machen kann, zeigt das Business Model Canvas, an Hand dessen wir einen Tag individuelle Geschäftsmodelle entwickeln werden.

Das Gründerseminar wird von Fachleuten aus der Praxis durchgeführt, die ein beson­deres Augenmerk auf freiberuflich und selbständig Tätige in der Kulturbranche haben und die eine Gründung in diesem Bereich aus eigener Erfahrung kennen:

  • Dr. Barbara Polaczek, text.inhalt.form , Freiberuflerin und Vertre­te­rin der Freien im Vorstand des Verbandes Deutscher Kunsthistori­ker,
  • Prof. Dr. Holger Simon, Kunsthistoriker und Mitglied im Verband Deutscher Kunst­historiker, Gründer von Pausanio GmbH & Co.KG .

Zwei Termine
Im Juli: Fr., 10.07.2015, 10–18 Uhr und Sa., 11.07.2015, 9–16 Uhr
Im Oktober: Fr., 23.10.2015, 10–18 Uhr und Sa., 24.10.2015, 9–16 Uhr

Ein Veranstaltungsort: Haus der Kultur , Weberstr. 59a, 53113 Bonn.

Kosten: 180,– Euro (Verbandsmitglieder, Studierende, B.A.-Absolven­tin­nen/Ab­solven­­ten der Kunstgeschichte) bzw. 250,– Euro (Nichtmitglieder)
Mindestteilnehmerzahl: 18

Anmeldung beim

Verband Deutscher Kunsthistoriker
Haus der Kultur
Weberstraße 59a
53113 Bonn
info@kunsthistoriker.org

Anmeldefristen:
  • Juli-Termin: verbindliche schriftliche Anmeldung bis Fr., 26.06.2015
  • Oktober-Termin: verbindliche schriftliche Anmeldung bis Fr., 09.10.2015

Weitere Informationen: barbara.polaczek@vorstand.kunsthistoriker.org und simon@pausanio.de

Veranstalter: Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. in Kooperation mit der Pausanio Akademie

(BP)

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Fachinformationsdienst Kunst stärkt Fotografie und Design

20 April, 2015 - 17:54

Ab sofort sind im Untertitel des arthistoricum.net-Logos „Fachinformationsdienst Kunst“ auch die Bereiche "Fotografie" und "Design" präsent. Damit erhält die Gattung Fotografie mit ihrer herausragenden Bedeutung als Quelle sowohl für fotohistorische Forschung als auch für alle kunsthistorischen Inhalte ebenso mehr Sichtbarkeit wie das junge prosperierende Forschungsfeld der Designforschung und –geschichte. Die Bereiche Fotografie und Design sind Schwerpunkte der SLUB als dem Dresdner Teil von arthistoricum.net. Weiterführende Informationen zu den Sammelschwerpunkten der SLUB und ihrer Kooperationspartnerin, der UB Heidelberg, finden Sie hier . In Verbindung mit der Namensergänzung und entsprechend den FID-Programmzielen werden aktuell für die Fachcommunity neue digitale Design- und fotografische Quellen für die Veröffentlichung auf arthistoricum.net vorbereitet.

 

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Happy End für das Warburg Institute: David Freedberg im Gespräch – von Pathosformeln zu Engrammen

17 April, 2015 - 12:01

David Freedberg wurde vor kurzem zum neuen Direktor des lange umkämpften Londoner Warburg Institutes ernannt. In einem Gespräch von 7.04.2015 mit der FAZ erklärt er, wie eine moderne globale Kulturgeschichte auf Warburgs Ideen aufbauen kann („Im Gespräch: David Freedberg, Zurück zu Aby Warburgs Vesprechen!“, die Fragen stellte Jan Plamper).

Chronologie der neuesten Vergangenheit:

6. November 2014: Urteil des Gerichtshofes zu Gunsten des Warburg Institute (siehe:
http://blog.arthistoricum.net/beitrag/2014/11/07/warburg-institute-gerettet-zukunft-gesichert/)

Februar 2015: „ Abkommen mit der Londoner Universität” – “ Following the Court’s ruling on the interpretation of the 1944 Trust Deed, the University of London and the Warburg Institute are pleased to announce that they have, through mediation, reached a binding agreement on the future management of the Warburg Institute” ( http://warburg.sas.ac.uk/home/news/#c2478 ).

4. März 2015: David Freedberg wird zum neuen Direktor des Warburg Institute ernannt
( http://warburg.sas.ac.uk/fileadmin/images/Home/freedberg.pdf )

Das Gespräch mit David Freedberg ist bei faz.net online zu lesen :
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/kunsthistoriker-david-freedberg-ueber-aby-warburgs-versprechen-13516403.html

Hier nur eine Auswahl aus den Fragen zusammen mit Auszügen aus den ausführlicheren Antworten :

Jan Plamper:
Was hat Sie bewogen, den Direktorenposten am Warburg Institute zu übernehmen?
David Freedberg:
Bewogen hat mich die Hoffnung, diese weltweit einzigartige Einrichtung zu ihren Ursprüngen zurückführen zu können. Diese sind nämlich aktueller denn je.

Worin besteht diese Aktualität?
In seiner Suche nach den „Urformen“ und den „Pathosformeln“ ging es darum, das Universelle in der unglaublichen Vielfalt der Bilder, ja der Kulturerzeugnisse überhaupt aufzuspüren. (...) Warburgs Versprechen war das einer wirklich globalen, demokratischen Kulturgeschichte und -theorie, und zwar von hoher tagespolitischer Relevanz. Dieses Versprechen von vor hundert Jahren gehört endlich eingelöst.

Wie kam das Warburg Institute denn vom Warburgschen Kurs ab?
Die Rückkehr des Warburg Institute zu seinen Warburgschen Wurzeln bedeutet somit auch eine Rückkehr zum Warburg von vor 1933, womit wir übrigens im England des Jahres 2015 voll im Trend lägen.

Welche Aspekte des Warburgschen Forschungsprogramms waren und sind für Ihre eigene Arbeit relevant?
Das Nachleben der Antike in all seiner Vielfalt und die Antriebskräfte des Kulturtransfers in Zeit und Raum war also ein erster Einfluss des Warburgschen Vermächtnisses. Der zweite hing mit dem Funktionieren der Bilder zusammen: Was verleiht Bildern eine derartige Kraft, dass die unterschiedlichsten Religionen und Regimes sie zu zensieren und zu zerstören trachten?

Was hat Warburg zu der aufstrebenden empirischen Ästhetik beizutragen?

In den neunziger Jahren wurde ich auf die biologischen Denkstränge bei Warburg aufmerksam. Daher rührt meine neurowissenschaftliche Beschäftigung mit Bildwirkung. Das meint einerseits die Forschung zu den präkognitiven Zuständen der Bildrezeption, andererseits zur Beziehung zwischen Bewegung, Emotion und Embodiment.

Im Metropolitan Museum: David Freedberg mit Studenten

David Freedberg :
http://de.wikipedia.org/wiki/David_Freedberg ; http://en.wikipedia.org/wiki/David_Freedberg

David Freedberg ( * 1948) ist Professor für Kunstgeschichte und seit 2000 Direktor der Italian Academy for Advanced Studies in America an der Columbia Universität in New York. Er wurde nach seinem Studium in Südafrika, Yale und Oxford 1973 mit einer Dissertation über Ikonoklasmus und Malerei in der niederländischen Revolte des 16. Jahrhunderts promoviert. Bekannt wurde David Freedberg vor allem für seine Publikationen über Zensur, Ikonoklasmus und die psychologischen Reaktionen auf Bilder, sowie für seine Arbeit über die Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft. In seinen jüngeren Arbeiten setzt er sich zunehmend mit der Bedeutung der kognitiven Neurowissenschaften für das Verständnis von Kunst und Bildern auseinander und erforscht das Spannungsfeld zwischen Bewegung, Verkörperung und Emotion.
( https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/de/personen/david-freedberg )

David Freedberg und das Warburg Institut :
Viel verbindet David Freedberg mit dem Londoner Warburg Institute. In einem recht offenen und persönlichen Erinnerungsschreiben beschreibt er seine Beziehungen zu den Ideen von Aby Warburg und zu dem Londoner Institut das den Namen von Warburg trägt („Drei Episoden ohne Aby“, aus dem Englischen von Michael Adrian übersetzt): http://www.columbia.edu/cu/arthistory/faculty/Freedberg/Drei-Episoden.pdf   =  Zeitschrift für Ideengeschichte , 8, 2014, 3, S. 97-104. Vgl. „ Selected publications for Download“, http://www.columbia.edu/cu/arthistory/faculty/Freedberg/index.html : „Warburg’s Mask: A Study in Idolatry“ .

Ein Zitat : „We need to get back to thinking about the Urformen and the engrams in contemporary terms – to the study, including the neurological and scientific study, of culturally modulated gestures. The failure to understand that task contributed to the decline of the Warburg, even while, paradoxically, the public interest in Aby Warburg has grown.“

In the Memory Ward: The Warburg is Britain’s most eccentric and original library. Can it survive?“

Der Hintergrund des Streits zwischen dem Londoner Warburg Institute und der Universität London ist in einer sehr langen und höchst interessanten Reportage behandelt, die in „ The New Yorker “ magazine neulich erschienen ist (Adam Gopnik, „In the Memory Ward: The Warburg is Britain’s most eccentric and original library. Can it survive?, in: The New Yorker , 16. März 2015). Hier werden die Spannungen zwischen den Ideen von Warburg und der neuen institutionellen Umgebung in London nicht vernachlässigt (vgl. https://arthistoriography.files.wordpress.com/2011/12/mazzucco-warburg.pdf ).

Adam Gopik ist hauptsächlich Schriftsteller, hat aber auch einer kunsthistorischen Ausbildung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Gopnik ).

Ausnahmsweise kann dieses Schreiben kostenlos online gelesen werden: http://www.newyorker.com/magazine/2015/03/16/in-the-memory-ward

Über die jüngste Warburg - Mode, schreibt Gopnik :

„In the years since Gombrich’s biography of Warburg, however, what once seemed suspicious or wacky in the Warburg tradition has become cool, and even trendy. In the past two years alone, at least ten scholarly books on Warburg and his work have been published. There are fashions in academia as in everything else, and Warburg has never been more fashionable. The contradictions, the fragmentary achievement, the image-mongering: crazy scholars with strange ideas now attract rather than repel us, and we are sufficiently far from the disasters of Romanticism to once again be open to its joys. Free association liberates us from the canon, and contradiction fires weapons against the logocentric mind. We can even look at the German Romantic fascination with a shared unconscious without immediately thinking of Auschwitz.“

„As a consequence, Warburg is now seen increasingly as an early master of modern disorder, a bookend and rival to Walter Benjamin. But where Benjamin famously saw mass reproduction as separating art from ritual, mystery, and “aura,” Warburg’s vision was more like that of a banker: images were a currency, circulating freely through time, and even collecting compound interest as they aged. We reaped the profits as images proliferated, growing in intensity and varieties of possible meaning (...).“

Am Ende lesen wir:  

„ My [ Freedberg’s ] dream of reviving the Warburg is a dream of making it the center of vigorous and vital cultural history in our time. It needs to engage with current debates, however dismaying. The Warburg is very well positioned to take a stand on cross-cultural ethical issues, on cross-disciplinary issues – even questions of human rights. It can be, and, I hope, will be, more engaged with contemporary issues than it has ever been before.”

“Brooke Palmieri [ sie hat die change.org Petition initiiert ] says that she feels “optimistic,” but no more than that. “I think that the court case was really great as a wakeup call for the University of London ,” she says. “We’ve got twenty-five thousand more sets of eyes on the Warburg Institute than I would have thought possible. (...) Lisa Jardine, for her part, notes, “I have a hard time believing that in the next five to ten years the situation will not arise again. Unless, of course, a major benefactor is found.” Freedberg recognizes as well that the future will depend on ambitious fund-raising, a daunting task in a country where state funding is still more the norm for higher education than American-style private endowment. As bankers know, sooner or later someone will have to pay.”

“The decision was, in other words, a perfectly Warburgian event: conservative and reassuring to a pedantic degree, it was also potentially destabilizing. For the time being, the books are still there, open on their shelves, and in the stairwells the nymphs rejoice.“

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Livestreams in der Kunstgeschichte?

14 April, 2015 - 19:01

Es gibt zahlreiche Kongresse, Vortragsveranstaltungen, Workshops, Bar Camps, Networking-Veranstaltung – insbesondere in dem Umfeld von IT und PR/Marketing – die per Livestreaming im Netz zugänglich gemacht werden, was es Interessierten ermöglicht, dort von einem anderen Ort aus teilzunehmen (und sich z.B. via Twitter auch aktiv daran zu beteiligen). Sind dann erst einmal Kameras im Raum, kann zudem eine Aufzeichnung hergestellt werden, die sich z.B. bei YouTube und anderen Kanälen hochladen lässt.

Leider werden Livestreams und Videoaufzeichnungen in unserem Fach selten genutzt. Das bedauern besonders die, die es sich zeitlich oder finanziell nicht leisten können, von Tagung zu Tagung zu reisen. Erfreulich ist dagegen, dass man im Netz bereits Aufgezeichnetes in größerer Zahl, wenn auch weitverstreut, findet, aber angesichts der heutigen Möglichkeiten ist dies viel zu wenig (und überdies wäre es auch an der Zeit, das Vorhandene nach und nach von Flash-basierten Techniken zu lösen).

Ich jedenfalls wäre sehr dankbar, wenn ich mich öfter mal zu Konferenzen schalten könnte, das machte mir gerade der Kunsthistorikertag deutlich, für den ich nur an zwei Tagen Zeit hatte. Die ebenfalls nicht hauptberuflich in der Wissenschaft tätigen Kollegen würden das sicher ebenfalls dankbar annehmen. Man könnte sich zumindest den Druck von Tagungsbänden sparen (die ja meistens ohnehin nie erscheinen), evtl. später sogar die Vorträge in Textform neben die Videodateien stellen.

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Le Journal de la Marbrerie et de l’Art décoratif – eine Rarität in der Universitätsbibliothek Heidelberg

14 April, 2015 - 12:20

Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat in ihrem Bestand eine große Anzahl an verschiedensten Kunstzeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts , die in ganz Europa beziehungsweise weltweit erschienen sind. Insbesondere Paris als bedeutendes europäisches Zentrum für Kunst, Kunstgeschichte und Kunstkritik war die Wiege zahlreicher Zeitschriften aus diesen Fachgebieten. Zu den wichtigsten gehören natürlich die Gazette des Beaux-Arts , die Zeitschrift L’Art oder das Journal des Beaux-Arts . Diese Publikationen finden sich heute im Bestand vieler Bibliotheken und Institutionen. Andere Zeitschriften mit spezielleren Themen sind viel seltener zu finden, vor allem außerhalb Frankreichs.

Das Journal de la Marbrerie et de l’Art décoratif , wörtlich übersetzt: „Journal der Marmorarbeit und des Kunstgewerbes“ gehört zu diesen Raritäten. Zu den wenigen Institutionen, in deren Bestand sich diese ab 1903 veröffentlichte Zeitschrift befindet, gehören die Universitätsbibliothek Heidelberg, die BnF in Paris und die Universitätsbibliothek Lille-1. Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Bände zu digitalisieren und der Öffentlichkeit online zugänglich zu machen.

Das Journal setzt sich aus drei Teilen zusammen: Das Hauptheft wird von zwei unterschiedlichen Beiheften ergänzt, dem Supplément und der Revue générale de la construction .

Das Supplément gibt überwiegend kommerzielle Informationen zu Marmorverarbeitung und –handel und spricht Empfehlungen über auf Marmor spezialisierte Steinmetzbetriebe in Frankreich aus. Das Beiblatt kann also, in gewisser Weise, als Werbeheft betrachtet werden. Die ersten Hefte des Beiblatts erschienen mit vollem Seitenumfang trotz weitestgehend fehlender Werbeanzeigen. Anstelle der Anzeigen sind mehrere Platzhalter in unterschiedlichen Formaten zu sehen; das ergibt ein sehr amüsantes Bild.

Nachdem sich das Journal etabliert hat, wurde im Jahr 1904 die Revue générale de la construction gegründet, um den Themenbereich der Zeitschrift auf die ganze Bauwirtschaft zu erweitern. Die Revue enthält allgemeine Berichte über unterschiedliche Aspekte des Bauwesens, und auch über Firmen und Werkstätten. Dabei geht es teilweise auch um überraschende Fragestellungen, wie zum Beispiel die Vermeidung von Rauchentwicklung in Fabriken . Dieser Artikel sowie die Verwendung eines Fachjargons spiegelt die starke Spezialisierung der Publikation, die sich fast ausschließlich an ein Fachpublikum richtet.

Das eigentliche Journal ist ganz dem noblen Material „Marmor“ gewidmet. Es geht aber nicht, wie man leicht vermuten könnte, um seine Verwendung in den schönen Künsten beziehungsweise in der Bildhauerei. Wie der Titel der Publikation unterstreicht, geht es um die Beziehung zwischen Marmor und Kunstgewerbe. Das selbstformulierte Ziel war vor allem, die Nutzung von Marmor im Bauwesen zu fördern, da er in den vorangegangenen Jahren häufig durch Gips oder Papiermaché ersetzt wurde (siehe Programm der Zeitschrift). So findet man Beiträge zu nahezu allen Aspekten der Marmorverarbeitung, vom Steinbruch bis hin zum kleinsten Marmorobjekt.

Das Themenspektrum der Zeitschrift reicht vom Marmorhandel über die Marmorgewinnung und -verarbeitung bis hin zu den Berufsgruppen, die den Marmor nutzen, wie Architekten und Dekorateure. Bemerkenswert ist, dass die Artikel keine kunsthistorischen und kunstanalytischen Themen aufgreifen.

Das alles macht Le Journal de la Marbrerie et de l’Art décoratif zu einem Unikum, welches auch die Bestände und das digitale Angebot der Universitätsbibliothek Heidelberg bereichert. Bis jetzt scheint das Journal auch in Frankreich wissenschaftlich wenig beachtet. Ein Grund hierfür ist mit Sicherheit der fehlende kunsthistorische Bezug und die Gewichtung auf das Handwerk. Trotzdem kann die Zeitschrift Kunsthistorikern und allen, die sich für Kunsthandwerk und Kunstgewerbe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts interessieren, eine nützliche Quelle sein.

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Wer sammelt, ‚Bibliothek oder Benutzer’? Fragen zum DFG Förderungsprogramm für Bibliotheken, ‚Fachinformationsdienste für die Wissenschaft’

12 April, 2015 - 17:45

In einem bemerkenswerten Artikel in der FAZ hat neulich der LMU Ordinarius Martin Schulze Wessel (Vorsitzender des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) eine Reihe von analytischen und kritischen Fragen zum Forderungsprogramm der DFG für Bibliotheken, ‚Fachinformationsdienste für die Wissenschaft’ (FID), formuliert und zur Diskussion gestellt (8.04.2015, S. N 4, Forschung und Lehre : „Sammeln für die Interessen von morgen“). Dieses Programm soll im Laufe der nächsten Jahre das langjährige System der Sondersammelgebiete (SSG) ersetzen, bei denen jeweils eine Bibliothek schwerpunktmäßig für einen bestimmten Wissenschaftszweig sämtliche verfügbare Fachliteratur zu erwerben anstrebt (wie, z.B., für die Kunst, UB Heidelberg und SLUB Dresden). In der Analyse von Schulze Wessel hat das System (SSG) die Funktionen einer weltweit sammelnden Nationalbibliothek in Deutschland weitgehend erfüllt – wie die Nationalbibliotheken in Paris, London und Washington.

Nationalbibliothek: 
„Diese Funktion übernahm in Deutschland seit sechzig Jahren ein Netzwerk von Staats- und Universitätsbibliotheken, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft beim Aufbau von ‚Sondersammelgebieten’ unterstützt wurden. Man erwarb arbeitsteilig nach verschiedenen disziplinären und regionalen Gesichtspunkten weltweit Literatur (...).“

 „Jedes wissenschaftliche Buch, das irgendwo auf der Welt erschien, war in mindestens einem Exemplar in Deutschland vorhanden und konnte durch Fernleihe oder elektronische Dokumentlieferung an jede noch so kleine Universitätsbibliothek in wenigen Tagen oder Stunden geliefert werden.“

So konnte durch bibliothekarische Kooperation den Vorsprung der ausländischen Nationalbibliotheken ausgeglichen werden. Mit der Zeit sind jedoch Probleme mit dem System der Sondersammelgebiete aufgetaucht. Immer mehr Bücher werden publiziert; der Anspruch auf Vollständigkeit rückte immer weiter in die Ferne. Die Sondersammelgebiete wurden immer zahlreicher: am Ende 110 SSG in 36 Bibliotheken. Entweder Reformen oder ein neues System.

„An die Stelle der alten Sondersammelgebiete sollen neue Fachinformationsdienste (FID) treten. War es das Kernanliegen des alten Systems, durch einen umfassenden Bestandsaufbau nach einheitlichen Kriterien auf möglichst alle Anfragen aus der Wissenschaft reagieren zu können, so kehrt das neue System die Rollen um: Die Wissenschaft selbst soll künftig ihre Erwartungen und aktuellen Bedürfnisse artikulieren; den Bibliotheken wird der enge Austausch „mit bedeutenden Forschungsverbünden im jeweiligen Fachgebiet“ nahegelegt.”

Dass das FID-System die Funktionen einer Nationalbibliothek erfüllen könnte, glaubt Schultze Wessel nicht. Ob die geplanten FID-Bibliotheken „künftig die in Deutschland fehlende international sammelnde Nationalbibliothek ersetzen können, muss man aber bezweifeln.“

  “Welche Themen künftig relevant sein werden, wissen wir nicht”:
Martin Schulze Wessel sieht die Notwendigkeit einer annähernd vollständigen Sammlung aufgrund der Bedürfnisse zukünftiger Forschungsfragen. „Literaturbeschaffung hat langfristige Folgen: Was heute nicht gekauft wird, ist künftig nicht vorhanden und lässt sich nur selten nachträglich erwerben. Die Angebotsorientierung der Fachinformationsdienste ist der Arbeitsweise der Geschichtswissenschaften gerade entgegengesetzt. Diese leben vom Paradigmenwechsel; was heute bedeutsam erscheint, kann morgen irrelevant werden. (...) Nur die formalen Auswahlprinzipien der alten Sondersammelgebiete erlauben es, Literatur vorsorglich zu erwerben. Die Dynamik in den Geisteswissenschaften hängt paradoxerweise von statischen Bedingungen ab: von der Verlässlichkeit und Vollständigkeit der Literaturversorgung – von der nun aus den DFG-Richtlinien verbannten Tätigkeit des Sammelns.“

„Aber ist auch für die anderen Fächergruppen eine angebotsorientierte Literaturbeschaffung überhaupt im nationalen Rahmen zu organisieren, ohne dass wichtige langfristige Bedürfnisse übersehen werden? Literaturbeschaffung auf Zuruf funktioniert im überschaubaren Rahmen von Seminarbibliotheken, manchmal auch in Universitätsbibliotheken, aber schwerlich bundesweit.“

Probleme die aus dem Zwang der „Profilschärfung“ der FID entstehen :
Unter anderem, „Die Bibliotheken bewerben sich mit ihren Fachinformationsdiensten und können scheitern. In der ersten FID-Begutachtungsrunde wurden acht von dreizehn Anträgen abgelehnt, (...) mit der Folge der Abbestellung von Zeitschriften und Literatur. Ein komplexes System von Infrastrukturen nicht solidarisch und planend, sondern in Wettbewerb von Anträgen zu organisieren könnte funktionieren, wenn es ein konkurriendes Interesse der Bibliotheken gäbe, also mehrere Anträge für ein Fachgebiet. Es geht aber um einen Service, den die Bibliotheken durch Literaturerwerb und –erschließung für fachliche Interessen in Deutschland leisten. (...) Die logische Folge: jeder abgelehnte FID-Antrag führt zu einem Torso in der Literaturbeschaffung.“

Die e-only-policy des FID-Programms:  
Mit FID will die DFG den Zugang zu einschlägigen elektronischen Ressourcen verbessern. Dies bedeutet, dass beim Vorhandensein einer elektronischen Ausgabe diese lizenziert wird und nicht ein Exemplar der Druckausgabe für den Bestand erworben werden soll. Martin Schulze Wessel bespricht weiter die Widersprüche und Ambivalenz der DFG-Richtlinien in Sachen e-only-policy.

„Auf der einen Seite wird betont, dass bei der „Gewichtung unterschiedlicher Literaturgattungen und Medienarten“ eine „systematische Rückkoppelung zwischen Fachinformationdienst und Wissenschaft“ zu etablieren sei. (...) Auf der anderen Seite führt die DFG in den Richtlinien aber den Begriff der „e-only-policy“ ein.“

Dies führte zu erheblichen Missverständnissen: „Tatsächlich beabsichtigt die DFG nicht, nur noch den Erwerb von e-Medien zu fördern. Die digitale Form der Veröffentlichung ist aber, sofern vorhanden, nach den FID-Richtlinien stets zu bevorzugen.“ Es gibt u. a. viele ungelöste Probleme mit der Lizenzierung, so „e-only heißt eigentlich e-whenever-possible“.

„Dennoch zieht sich der Begriff der e-only-policy wie ein Mantra durch die Richtlinien, und den potentiellen Gutachterinnen und Gutachtern der FID-Anträge wird die Frage aufgegeben: „Überzeugen die geplanten Schritte zur Berücksichtigung der e-only-policy?“ Der Kampbegriff „e-only-policy“ wird seine Wirkung tun.“

Fazit:
„Zweifellos ist das alte System der Sondersammelgebiete zu reformieren, dabei müssen Strukturen für die Nutzung digitaler Medien geschaffen werden. Niemand kann erwarten, dass alle damit verbundenen technischen und rechtlichen Problemen von vornherein abzusehen sind. Doch ist es an der Zeit, über die nicht intendierten negativen Folgen der Umstellung zu diskutieren. Und es sollte auf den Gestus der forcierten Modernisierung verzichtet werden (...): Das Sammeln von Literatur, das von formalen Kriterien geleitet wird und nach Vollständigkeit strebt, entspricht nicht nur einer jahrhundertelangen Bibliothekstradition, sondern auch dem Interesse der Geisteswissenschaften.“


Zu Martin Schulze Wessel:
  http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Schulze_Wessel

Es scheint als ob die DFG gegen die mangelnde Akzeptanz digitaler Publikationsformen noch wirken will, nach dem Motto „Die digitale Transformation weiter gestalten“.

Zur Überführung der Sondersammelgebiete in das Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“:
http://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_
foerderangebote/fachinformationsdienste_wissenschaft/ueberfuehrung_
sondersammelgebiete/index.html

arthistoricum.net wird durch die DFG gefördert: arthistoricum.net - Fachinformations-dienst Kunst : Im Rahmen des neuen DFG-Programms "Fachinformationsdienste für
die Wissenschaft" bauen die beiden Partnerbibliotheken ihre bestehenden Angebote zu einem gemeinsamen Fachinformationsdienst Kunst aus.

Siehe auch: http://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2013/pressemitteilung_nr_54/ Ein Blog-Beitrag zum Artikel von Martin Schulze Wessel:
„Die DFG-Fachinformationsdienste und die Anforderungen der Geisteswissenschaften. Zu einem FAZ-Artikel.“ Eine Notiz von Ben Kaden.
https://blogs.hu-berlin.de/fupush/2015/04/fid/#more-551

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